Geburtsbericht - Familie Maier

 

Eine Geburt, das ist doch das natürlichste der Welt. Und doch: wie viele Frauen sind früher bei der Geburt ihres Kindes ums Leben gekommen, als die Medizin noch nicht so weit fortgeschritten war?

Sollte ich da wirklich ins Geburtshaus gehen? Wäre das nicht riskant?

 

Wir sahen uns also die Krankenhäuser an den extra dafür eingerichteten Info-Abenden an. Die Ärzte warben mit den medizinischen Möglichkeiten und der Sicherheit, die Ihr Krankenhaus bietet. Aber mir war während der ganzen Zeit beklommen zumute. 2000 Geburten im Jahr? Wird das nicht zur Massenabfertigung? Und dann die Geschichten aus dem Bekanntenkreis, in denen Ärzte die Geburt schnell „erledigen" wollten, um ins Wochenende oder in den Feierabend zu kommen. In manchen Krankenhäusern wird der Frau grundsätzlich zu Beginn ein Zugang gelegt, um später schnell Infusionen anlegen zu können. Aber sollte man nicht erst mal davon ausgehen, dass die Frau auch ohne ärztliche Hilfe auskommt?

Erst bei dem Info-Abend im Geburtshaus in Idstein wurde mir wieder bewusst, dass der Arzt bei einer normal verlaufenden Geburt überhaupt keine Aufgabe hat. Er ist nicht der Geburtshelfer, sondern die Hebammen. Natürlich ist es gut und beruhigend zu wissen, dass man bei Komplikationen rechtzeitig ärztliche Hilfe bekommt. Aber erst mal wollte ich fest daran glauben, dass ich mein Kind auf ganz natürlichem Weg zur Welt bringe. Für mich war klar, dass ich im Geburtshaus gebären wollte, auch wenn mir mein Frauenarzt wiederholt die Risiken meines Vorhabens erklärte. Auch mein Mann war überzeugt vom Geburtshaus. Das war mir wichtig, denn nach der Entbindung war ich auf seine Unterstützung viel mehr angewiesen als nach einer stationären Krankenhausentbindung.

Was viele Frauen gar nicht wissen: die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft können teilweise oder komplett von den Hebammen durchgeführt werden und die Krankenkassen zahlen alles genau wie beim Frauenarzt.

Bei mir begannen die Wehen 8 Tage nach dem errechneten Termin am frühen Abend.

Mein Frauenarzt hatte bereits einige Tage zuvor eine gewisse „Nervosität" signalisiert und den Übertragungstermin benannt, an dem er mich in ein Krankenhaus überweisen wolle. Für die Hebammen im Geburtshaus war seine Meinung natürlich wichtig – wichtig war ihnen aber auch, wie es dem Kind geht und wie ich mich fühle!

Als ich mir dann sicher war, dass es sich um Geburtswehen handelt, habe ich die diensthabende Hebamme Vivian Schmitt angerufen und mich mit ihr im Geburtshaus verabredet. Mein Mann und ich kamen ca. um 22.30 Uhr dort an und der Geburtsraum war bereits vorbereitet: Ruhe, leise Musik, Kerzenschein.... Vivian war während der ganzen Zeit bei uns im Raum, teilweise zurückgezogen und leise beobachtend und teilweise beratend und auch Anweisungen gebend. Während der eigentlichen Geburt kam dann die zweite diensthabende Hebamme Katja Rückert dazu. Im Nachhinein hat mein Mann gesagt, dass die beiden Hebammen die Geburt nicht geleitet, sondern lediglich begleitet haben. Wir empfinden dies im Nachhinein als sehr (!) angenehm. Es war ein „Familienereignis" und kein „Krankenhausbesuch". Und dennoch hatten wir zu keinem Zeitpunkt die Sorge allein zu sein, ohne Hilfe zu sein oder unter unzureichender medizinischer Überwachung zu sein. Vorgespräche hatten uns darüber aufgeklärt, dass die Hebammen feste Kriterien haben, die zu einer Verlegung führen und es bestand auch die feste Regelung, dass die Hebamme im Zweifelsfall die Entscheidung trifft – ohne Diskussion. Gerade dies aber gab uns umso mehr Ruhe und innere Sicherheit.

Bereits 6 ½ Stunden später lag ein kleine Wesen in meinem Arm. Nachdem der kleine Jérôme an beiden Brüsten gesaugt hatte, wurden wir für eine ganze Weile unserer neuen Dreisamkeit überlassen. Später wurde dann noch mein leider nicht zu vermeiden gewesener Dammriss fachkundig genäht. Und dann fuhren wir auch schon nach Hause.

In den letzten Wochen haben mir einige junge Mütter gesagt, wie mutig sie meine Entbindung im Geburtshaus finden. Ich dagegen hatte viel größere Angst vor dem Krankenhaus mit seinen vielen Krankheitserregern und den Ärzten, die nicht erst Deine Meinung erfragen sondern einfach machen. Im Krankenhaus hätte ich mich der Maschinerie ausgeliefert gefühlt. Im Geburtshaus dagegen wurde ich durch die Geburt begleitet und auch vor und nach der Geburt bestens betreut und beraten. Ich bin froh und dankbar, dass es diese Einrichtung gibt und ich möchte mich nochmal bei dem ganzen Team bedanken!

 

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