Geburtsbericht - anonym 1

 

Bereits während der Schwangerschaft wurde mir zunehmend der medizinische Trubel zu viel. Während ich mich anfangs noch über jeden Ultraschalltermin freute, war es mehr und mehr so, dass sie mich fast störten. Auch meine Tochter störte z. B. der sehr laute Wehenschreiber.

Als mir das irgendwann so richtig klar wurde, war ich sehr froh über den Kontakt zum Geburtshaus, da ich dort Rückhalt für mein eigenes Empfinden für unsere Tochter und mein Wohlbefinden erhielt. Vivian, Katja und Cora, bei denen ich die Vorsorgetermine gemacht habe, konnten mich auch immer wieder entspannen, wenn die Frauenärztin Hektik verbreitet hat, weil unsere Tochter ihrer Meinung zu klein und zu leicht sein sollte. Zum Schluss habe ich die Vorsorgetermine nur noch im Geburtshaus gemacht. Die entspannte Atmosphäre war einfach immer toll und tat mir und meinem Bauch sehr gut!

 

Wie war die Geburt im Geburtshaus?

Das Geburtshaus ist 500 Meter von unserem Haus entfernt. Unsere Tochter kam im Januar 2010 zur Welt. Alles war tief verschneit und wir waren immer froher, nicht noch den Weg nach Wiesbaden antreten zu müssen, wenn es losgeht. An einem Freitagmorgen fingen die Wehen leicht an. Am Abend waren sie dann so stark, dass ich regelmäßig vom Sofa hüpfen musste, um sie im Vierfüßlerstand zu veratmen. Richtig gut war, dass ich ganz ruhig und lange zu Hause bleiben konnte – schließlich war das Geburtshaus gleich um die Ecke. Gegen 03:00 Uhr morgens kamen die Wehen sehr regelmäßig in kurzen Abständen. Wir haben bei Vivian angerufen und uns mit ihr für kurz vor Vier im Geburtshaus verabredet.

Als wir dort ankamen, brannten Kerzen und Musik lief leise im Hintergrund. Das war so entspannend, dass die Wehen erstmal wieder aufhörten ;-) Unter Vivians ganz unauffälliger Anleitung haben wir einige verschiedene Dinge ausprobiert, um sie wieder in Gang zu bringen und produktiver werden zu lassen. Währenddessen ließ Vivian uns viel Freiraum. Wir hatten Zeit zu Zweit und konnten zwischendurch sogar mal ein bisschen dösen.

Eine heiße Badewanne brachte die Wehen dann richtig in Gang. Alles war aber so individuell und so sehr auf uns abgestimmt, dass ich z. B. über eine PDA nicht einmal nachgedacht habe, weil ich die Wehen als erträglich empfunden habe. Irgendwann am Vormittag kam – was ich nur am Rande mitbekam – jemand für einen Vorsorgetermin o. ä. ins Geburtshaus. Mittlerweile war Cora als zweite Hebamme auch bei uns und bat sie, wann anders wieder zu kommen. Weiterhin hatten wir also das ganze Geburtshaus für uns.

Vivian und Cora waren als Team super! Wir haben uns sehr gut aufgehoben und versorgt gefühlt, während wir das Gefühl hatten, weiterhin viel selbst bestimmen zu können.
Als unsere Tochter dann auf der Welt war, hatten wir ganz viel Zeit mit ihr auf meinem Bauch, bevor Vivian und Cora sie und mich versorgt haben und wir dann weiter mit ihr kuscheln konnten und ich sie das erste Mal anlegen konnte.
Total überrascht waren wir, als Cora und Vivian einen Sekt hervorgezaubert haben und wir gemeinsam anstoßen konnten :)
Um 12:11 Uhr kam unsere Tochter zur Welt und um 15:00 Uhr waren wir bereits wieder daheim; gemütlich und überglücklich auf dem Sofa.

Die Nachsorge

Am Tag der Geburt kam Vivian als unsere Nachsorgehebamme das erste Mal vorbei. Es war natürlich absolutes Glück, dass Vivian uns von der Vorsorge über die Geburt bis zur Nachsorge betreut hat. Das und ihre absolut liebevolle Art hat die erste Zeit mit unserer Tochter sehr, sehr persönlich gemacht! Sie kam lange Zeit jeden Tag vorbei, dann mit immer größeren Abständen und wir konnten von uns aus sagen, wie viel wir sie brauchten und wie viel wir uns schon allein zugetraut haben.

Würden wir es wieder so machen?

Absolut!!! Uns wurde immer wieder gesagt, wie mutig wir gewesen wären, die Geburt ohne Arzt oder PDA in der direkten Nähe zu machen. Für mich war es allerdings so, dass die Atmosphäre und die Einstellung der Hebammen im Geburtshaus mir Kraft gegeben haben und ich mich stark gefühlt habe! Es hätte mich Mut gekostet, mich einer Krankenhausroutine zu „unterwerfen".

Was man unserer Ansicht nach bei der Entscheidung berücksichtigen sollte, und woran man vielleicht nicht direkt denkt, ist dass der Mann ganz anders und sehr direkt gefragt ist und sowohl bei der Geburt als auch danach wesentlich mehr und schneller Mitverantwortung übernehmen muss. Das war für meinen Mann eine Herausforderung und sehr spannend. Er möchte aber keine Minute missen!
Übrigens: Die Hebammen des Geburtshauses haben Recht behalten – unsere Tochter war mit 50 cm und 2.840 zwar leicht, aber nicht zu leicht oder klein ?

Herzlichen Dank für Alles an das Geburtshausteam und besonders an Vivian, Cora und Katja!!!

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