Geburtsbericht - Familie Braun

 

Mittwoch 24.6.2015, 07:30h eine zaghafte Wehe und Fruchtwasser zwischen meinen Beinen -Unsicherheit-Aufregung- wir rufen die Bereitschaftsnummer und haben Adeline am Telefon. Mein Blasensprung, wenn auch nicht schwallartig, gilt als offizieller Geburtsbeginn, also ab ins Geburtshaus. Wir haben Frühstückshunger und treffen daher erst um 11h in Idstein ein.


Das CTG schreibt keine Wehen, dafür wunderbar kräftige Herztöne unseres, heute besonders aktiven, Babys. Dennoch schleicht sich eine leise Angst ein: Die Wehen müssen innerhalb von 24 Std kommen. Sonst muss die Geburt aufgrund des Blasensprungs eingeleitet werden – wir müssten ins Krankenhaus...
Adeline ertastet meinen Muttermund und stellt erstaunt fest, dass dieser schon 1 cm weit geöffnet ist. Ich bekomme von ihr ein homöophatisches Pulver welches den Wehen auf die Sprünge helfen soll. Erleichtert verabschieden Jochen und ich uns fürs Erste und beschließen in Idstein ein Eis essen zu gehen.
Das Eiscafé ist klein und echt italienisch. Der große Schokoeisbecher schmeckt super und noch bevor ich ihn aufessen kann, spüre ich die erste Wehe. Auf dem Rückweg müssen wir rasten, damit ich die Wehen veratmen kann. An unserem Busje angekommen lege ich mich erstmal ab, während Jochen Adeline anruft, um sie über den Stand der Dinge zu informieren. Sie meint, sie könne in einer viertel Stunde da sein, doch ich lehne zunächst noch ab. Als die nächsten „Wellen“ anrollen und ich nun schon lautierend veratmen muss, überlege ich es mir anders. Wir treffen zeitgleich mit Adeline am schönen Geburtshaus ein. Im Geburtsraum angekommen bereitet Adeline den Raum vor; Jochen geht nochmal los um unsere Sachen aus dem Auto zu holen und ich drehe meine Runden um die Wanne, mich während der Wehen auf ihren Rand abstützend. Wir reden nicht – Adeline braucht nicht zu fragen, sie sieht und hört wie meine Wehen sind. Als Jochen zurückkommt ist mir doch nach reden: Ich beschwere mich darüber das die Wehen schlimmer sind wenn er da ist. Wohl einen Blick auf Jochens erschrockenes Gesicht geworfen übersetzt Adeline, beruhigt ihn, erklärend das dies einem Kompliment gleichkäme. Sie hat Recht, meine Wehen kamen erst als ich sicher am gewünschten Geburtsort angekommen war und sie sind natürlich am stärksten wenn ich mich wohlfühle...
Die nächste Zeit bin ich ganz bei mir, in meiner Welt, veratme Wehe um Wehe – kann und möchte in den kurzen Wehenpausen nicht stillstehen - drehe daher Runde um Runde, nutze den Wannenrand als „Stützpunkt“, während Jochen mir Wasser reicht, mit mir neben der Toilette sitzt als ich denke ich müsste kotzen und schließlich in Löffelchenstellung mit mir rastet als meine Beine schmerzend protestieren.
Sehr viele wirklich klare Erinnerungen habe ich an die sog. Eröffnungsphase nicht. Ich weiß noch wie die Wehen kamen – anrollten wie Wellenberge auf hoher See – sich aufbauen und abflauen ohne je an der Küste zu brechen.
Sie kommen häufig und werden heftiger. Es kostet mich große Überwindung weiterhin in den gespannten Bauch zu atmen. Als mein langes ausatmen anfängt in einem keuchen zu enden, bietet Adeline mir an in die Wanne zu gehen. Obwohl ich unser Kind nicht im Wasser gebären möchte stimme ich zu. Nachdem Adeline mir versichert hat mich rechtzeitig da wieder rauszuholen, kann ich es kaum erwarten meine Klamotten los zu werden und in das rauschend einlaufende, warme Wasser zu steigen. Im Wasser fühle ich mich gleich leichter und lasse mich entspannt zurücksinken. Die Rückenschmerzen werden schnell besser doch die Wehen gefühlt heftiger.
Am Wannenrand helfende, haltende, Wasser und Dextro-Energy reichende, nunmehr drei paar Hände. Susanne ist hinzugekommen – genau richtig, denn meine Wehen verändern sich schon. Die Eröffnungsphase neigt sich dem Ende zu, der Gebärmuttermund ist nur noch als Wulst am Rand zu spüren. Ich brauche Hilfe um die Wehen weiter zu veratmen.
Adeline atmet mit mir, Jochen reicht mir immer wieder Wasser und beide fischen sie meine Kacke aus der Wanne.
Der Druck nach unten nimmt so sehr zu, dass ich schließlich frage ob ich nun mit“pressen“ dürfe. Nicht sicher ob ich ein Nein akzeptieren kann, bin ich sehr froh über die Zustimmung der Hebammen.
Es beginnt eine klarere Phase der Geburt. Ich bin nicht mehr so sehr nach innen gewand, bekomme mehr mit und fühle mich stärker und wacher. Bei den Wehen stelle ich meine Beine gegen den Wannenrand und schiebe dem Druck folgend mit. Das Tuch welches von der Decke hängt wird mir zum besten Freund. Ich kralle meine Hände hinein oder hänge gleich meinen ganzen Oberkörper in die Schlinge. Als ich immer länger in dieser Position verharre, beschließen Susanne und Adeline, dass es Zeit wird, mich aus der Wanne herauszuholen.
Unter Stöhnen und Jammern steige ich trotz Puddingbeinen aus der Wanne. Draußen angekommen muss ich zunächst auf dem Boden platznehmen, merke aber schnell das mein Kreislauf von dem Positionswechsel sehr profitiert.
Auf mein Nachfragen hin darf ich 2-3 Wehen auf dem Gebärhocker platznehmen – eine Wohltat für meine Beine.
Anschließend lege ich mich seitlich aufs Bett, ein Bein in der Tuchschlinge ist diese Position sehr erholsam. Adeline bereitet den Dammschutz vor und Susanne setzt mir eine Akupunkturnadel in den Damm um diesen weicher zu machen. Endspurt...
Ich wechsle in den Vierfüßlerstand und fühle mich dabei unglaublich unbeholfen, bin es auch, denn das Baby macht es mir inzwischen unmöglich meine Beine zu schließen.
Auf allen Vieren angekommen, läßt Adeline mich dann das Köpfchen unseres Kindes ertasten – weiche Haut mit Haaren :-)
Jetzt gilts, ich mobilisiere alle meine Kräfte und nutze jede Wehe um kräftig mitzuschieben. Adeline erinnert mich daran meine Kraft gezielt, erst zum Höhepunkt der Wehe einzusetzen. Bei der nächsten Wehe spüre ich wie das Köpfchen hinaustritt und schiebe es über die Wehe hinaus – geschafft. Noch eine Wehe und da liegt er! Unser Sohn, puterrot mit langem blauen Kopf und klaren Augen welche in die Welt blinzeln.
Ich setze mich zurück, Jochen ist neben mir, wir legen unseren Sohn auf meinen Bauch. Ganz wach ist der Kleine – pures Glück - riesen Wunder.
Er sucht nach der Brust und ich lege ihn unbeholfen an. Kurz darauf spüre ich wieder Wehen, Unwille überkommt mich. Doch ein paar Minuten später ist auch die Plazenta da und die Geburt komplett. Gratulation von Susanne und Adeline. Jochen durchtrennt die Nabelschnur – unser Band bleibt.
Die meisten Menschen wundern sich, wenn ich ihnen erzähle, dass die Geburt von Janó schön war. Manche hingegen nicken wissend und fragen, ob ich im Geburtshaus oder Zuhause entbunden habe. Eine Erkenntnis welche einem solchen Gespräch entsprang möchte ich noch teilen...
Eine Freundin fragte mich ob die Schmerzen schlimm gewesen wären, ich wollte nicht lügen sie aber auch nicht verschrecken und versuchte zu erklären das die Schmerzen zwar stark waren aber dennoch nicht schlimm. Erstaunlicherweise schien sie zu verstehen und meinte sehr klug, dass der Wehenschmerz wohl der einzige ist welcher uns nicht zeigt das wir krank oder verletzt sind.
Er ist der einzig positive Schmerz auf dieser Welt.
Er zeigt uns das alles gut ist. Mit seiner seiner Hilfe sind wir in der Lage unser Kind zur Welt zu bringen.

Genau das wurde mir in meiner ganzen Schwangerschaft von meinen Hebammen vermittelt. Sie bestärkten mich im Vertrauen in meine naturgegebene Fähigkeit zu gebären.

Das hat maßgeblich dazu beigetragen das wir dieses Wunder so erleben durften.
Wir sind sehr dankbar dafür!

Viele liebe Grüße und viel Kraft für alle Leserinnen und Leser

Hannah

 

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