Geburtsbericht - Famile Wennholz

 

Bei unserer ersten Geburt unseres Sohnes Joshua, hatten wir in einem kleinen Krankenhaus erleben können, dass selbst die entspanntesten Geburten nur mit viel Anstrengung, ohne ärztliche Einflussnahme bleiben. Daher hatten mein Mann und ich uns nun für das „Abenteuer Geburtshaus“ entschieden. Eine Hebamme, die auch Hausgeburten anbietet, hatte ich in unserem Wohnort nicht gefunden. Daher war es für uns das Naheliegenste, nach Idstein zu fahren.In der 27. SSW hatte ich leider dann vorzeitige Wehen und sah meinen Wunsch „Geburtshaus“ schon zerplatzen.Ich war unglaublich erleichtert, als ich aus den “Fängen“ des Krankenhauses entlassen wurde, was so vielen Schwangeren, die ich auf der Station kennengelernt hatte nicht vergönnt war.

Ab der 31. SSW nahm ich regelmäßig die Vorsorgetermine im Geburtshaus wahr und fühlte mich bald ein wenig, wie zu Hause. Auch die vermeintlich lange Wegstrecke von 25 Minuten Autofahrt, verlor immer mehr seinen Schrecken. Anna, Teresa, Susanne und Nicole versorgten mich mit geburtsvorbereitender Akkupunktur und als es dann wider Erwarten deutlich auf den errechneten Geburtstermin zuging, auch mit Homöopathie. Ich konnte diese Super- Rundumversorgung und die vertrauensvolle Art der Hebammen zu dieser Zeit extrem gut gebrauchen, da ich nach wie vor Sorge hatte, doch noch wegen irgendwelcher Komplikationen im Krankenhaus entbinden zu müssen. Eine Woche über dem errechneten Geburtstermin wurde ich natürlich wieder nervös und zählte mit Bauchschmerzen, wie viele Tage mir bleiben, bis ich wieder zur Vorsorge zur Frauenärztin musste. Auch wenn ich meine Frauenärztin sehr schätze. Daher war ich sehr dankbar für die aufmunternden und aufklärenden Gespräche mit Teresa, die völlig entspannt das Datenblatt in meinem Mutterpass erweiterte und mir den Dienstplan der Hebammen für die nächsten drei Wochen mitgab. Nun hatte ich bereits regelmäßig Wehen, doch es passierte weiterhin nicht mehr. Nachmittags ging ich dann mit meinem Dreijährigen auf einen Kindergeburtstag und abends kamen, wie bereits gewohnt, ein paar Wehen. Jedoch nicht regelmäßig. Da ich in letzter Zeit bei meiner Familie schon zweimal „Fehlalarm“ ausgelöst hatte, rief ich Nicole zwar an, entschied mich jedoch noch nicht loszufahren, sondern noch abzuwarten. Um 24.00 Uhr machte ich dann mal den „Wannentest“. Danach Anruf bei Nicole. Wehentätigkeit in kürzeren Abständen, aber nicht regelmäßig... mal 10 Min, mal sieben, mal 15 Minuten. Nicole riet mir die Oma fürs Babysitten schon mal anzurufen und mich zu melden, wenn wir loszufahren. Zeitgleich mit dem Anruf bei meiner Mutter spürte ich das da was in Gang war, was sich wohl jetzt nicht mehr aufhalten ließ. Ich bat meinen Mann, alles zu packen. Acht Minuten später war meine Mutter da und ich sehr froh, nun endlich losfahren zu können. An unserem Auto angekommen, hatte ich (wie ich jetzt weiß) die erste Presswehe. Auf dem Boden sitzend bat ich meinen gerade leichenblass gewordenen Mann, doch bitte eine Decke auf meinen Autositz unterzulegen. Dann starke Wehen und keine Schmerzen ;o) auf der Autofahrt. Aufatmen als unser Auto den Storchenparkplatz in Idstein am Geburtshaus belegte. Nicole öffnete die Autotür mit den Worten: „Julia du presst ja schon...“ Sie sagte dies mit einer solchen Souveränität, dass ich mich sofort entspannte. Nicole bereitete im Geburtsraum gerade alles vor, als die Fruchtblase platzte. Mein erster Gedanke war: “Bei der Geburt unseres Sohnes, war ab diesem Moment zwei Stunden später unser Baby da...!“ Dieser Gedanke wurde jäh unterbrochen, denn ich spürte schon das Köpfchen. Nicole sagte meinem Mann, wie er mich am besten festhalten und stützen konnte. Und so brachten wir unser Mädchen bei nahe gemeinsam zur Welt, denn 17 Minuten später, schauten wir Lina zum ersten Mal in die Augen und hatten es geschafft! Nach dieser Erfahrung kann ich voller Überzeugung sagen, dass die Hebammen des Geburtshauses, selbst in stressigen Situationen stets souverän und bedacht handeln. Ich bin überaus froh und dankbar, dass ich in diesem Moment die Geborgenheit von Nicole spüren konnte und keine hektischen Ärzte um mich hatte. Im Gegenteil. Ich denke auch im Nachhinein, dass ich ohne den Hinweis von Nicole während der Vorsorge, schlimmstenfalls doch noch mit einem Kaiserschnitt im Krankenhaus gelandet wäre. Auch mein Mann, der Nicole bis zu diesem Moment noch nicht kannte und alle wichtigen Dinge im Leben am liebsten selbst macht, vertraute ihr sofort.

Liebe Nicole, liebe Teresa, liebe Anna und liebe Susanne, ohne Euch wären wir wahrscheinlich „aufgeschmissen gewesen“ DANKE dass ihr Lina und mir diese natürliche und selbstbestimmte Geburt ermöglicht habt! Tausend Dank für Eure tolle Arbeit und Eure nette Art!

Ein Aspekt soll noch erwähnt werden: Wir hatten im Vorhinein Sorge, nach einer Ambulanten Geburt, so schnell wieder in aller Verantwortung zu Hause zu sein. Tatsächlich viel es uns überhaupt nicht schwer. Im Gegenteil: Im Vergleich mit der Krankenhausgeburt unseres Sohnes (beim ersten Kind ist man immer etwas unsicher) viel uns nun auf, wie sehr man durch die Ärzte und Pfleger im Krankenhaus in der eigenen Elternrolle geschwächt wird. Dann kommt man am dritten Tag nach Hause und hat natürlich das Gefühl mit allem überfordert zu sein. Nach unserer ambulanten Geburt hingegen, konnten wir dort anknüpfen, wo wir am Tag vorher aufgehört hatten. Unser Großer hat die Geburt von Lina, in der Obhut seiner Oma verschlafen. Als wir nachts nach Hause kamen legten wir Lina neben den schlafenden Joshua. Am nächsten Morgen wachte er auf und als er das kleine Bündel neben sich bemerkte rief er ganz erfreut: „Wann ist sie denn gekommen? Hab ich ja gar nicht mitbekommen!“

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