Geburtsbericht - Famile Jockers

 

Wir haben uns für das Geburtshaus in Idstein entschieden (trotz der weiten Anfahrt aus Mainz), da wir uns von Beginn an eine außerklinische Geburt wünschten. Im Rückblick war für uns vor allem die Begleitung durch die Hebammen während der Schwangerschaft eine der wertvollsten Erfahrungen. Durch die durchweg entspannte Atmosphäre bei allen Vorsorgeuntersuchungen und die Herzlichkeit der Hebammen brachte uns unserem Kind schon vor der Geburt näher als jedes Foto einer Ultraschalluntersuchung. Mithilfe diesen positiv erlebten Terminen blickten wir jederzeit optimistisch auf den Zeitraum der Geburt, und fühlten uns mit jedem Termin vertrauter mit den Hebammen und den Räumlichkeiten des Hauses.


Die Spannung und Vorfreude stieg bis zum errechneten Geburtstermin an, doch zeigte sich wie zu erwarten noch keine Geburt an. Das Baby war noch glücklich in der „Kugel“ und für uns hieß es geduldig sein, viel spazieren gehen, die Füße hochlegen … und das Ganze wieder von vorne. Ab dem errechneten Termin waren wir alle 2 Tage zur Vorsorge im Geburtshaus. Die Werte von mir und dem Kind waren weiterhin gut, somit konnten wir uns weiter „entspannt“ dem Warten widmen. Natürlich wuchs auch die Ungeduld etwas weiter und ja das „Zeit verstreichen lassen“ war auch manchmal etwas frustrierend. Gerade als wir mit dem Warten einen Frieden geschlossen hatten und uns mit Freund*innen für den kommenden Tag verabredet hatten – hatte ich einen Blasensprung (das war ca. um 22 Uhr). Da das Kind schon tief im Becken saß, konnten wir beruhigt sein, das es dem Kind weiterhin gut geht. Wir riefen im Geburtshaus (GH) an und besprachen uns für das weitere Vorgehen mit Laura. Sie meinte, dass in der Nacht voraussichtlich Wehen einsetzten würden, und wir uns bei ihr melden sollen falls wir unsicher sind oder Fragen haben. Und vereinbarten einen Termin am kommenden Morgen. Also legten wir uns Bett und versuchten noch etwas schlaf zu bekommen, nicht viel später setzten bei mir auch die Wehen ein. Allerdings konnte ich noch im Bett liegen bleiben und die Wehen mit meinem Atmen entspannt begleiten. Schlaf konnte ich nicht mehr finden, da die Abstände der Wehen zu kurz war. Halbwegs ausgeruht und ein bisschen gespannt auf das was kommt machten wir uns am frühen nächsten Morgen auf den Weg ins GH zu Laura. Wir freuten uns darauf an einen uns bekannten Ort zu fahren und zu wissen wer uns gleich empfangen wird. Das nahm mir sehr viel Unsicherheit vor dem Ungewissen was vor uns lag. Irgendwie waren wir uns auch recht sicher mit Baby wieder nach Hause zu fahren. Im Geburtshaus angekommen und am CTG angeschlossen – ließen die Wehen prompt nach und hörten sogar ganz auf. Die Herztöne vom Kind waren gut und mein Muttermund 1cm weit geöffnet, was bedeutete das wir noch weit entfernt einer Geburt waren. Ich bekam wehenfördernden Tee und einen Einlauf, in der Hoffnung die Wehen wieder in Schwung zu bringen. Und dann fuhren wir wieder nach Hause. Zuhause versuchten wir uns auszuruhen, etwas zu essen und zu entspannten, auch wenn das Zeitfenster nur klein war, da wir mittags einen weiteren Termin mit Susanne im GH hatten. Dort wieder angekommen, war ich immer noch frei von Wehen nur ab und an ging etwas Fruchtwasser ab. Susanne setzte mir Akkupunktur und kontrollierte die Herztöne via CTG und wir besprachen eine weitere wehenfördernde Methode mithilfe von Rizinusöl. Da Thilo und ich es uns wirklich sehr wünschten das Kind im GH zu bekommen, wollten wir alle hier möglichen geburtseinleitenden Möglichkeiten ausschöpfen und entschieden uns dafür. Auch in Hinblick auf die voranschreitende Zeit die wir mit einem Blasensprung außerklinisch zur Verfügung hatten (24h von Blasensprung bis Geburtswehen). Wir fuhren also ein 2. Mal an diesem Tag nach Hause. Desto näher der Abend „wehenfrei“ rückte, desto weniger glaubten wir noch an eine Geburt im GH. Trotz zahlreicher Entspannungsmaßnahmen kamen die Wehen nicht und wir versuchten uns mit der traurigen Gewissheit abzufinden bald ins Krankenhaus zu fahren. Mit Susanne hatten wir vereinbart um 19 Uhr zu telefonieren und die „Wehen-Lage“ zu besprechen. Um auf andere Gedanken zu kommen machten wir es uns vor einem Film gemütlich. Den Film haben wir nie zu Ende geschaut… um ca. 18 Uhr setzten die Wehen ein und kamen schnell regelmäßiger und stärker, sodass es für mich nicht mehr angenehm war im Bett zu liegen. Wie vereinbart riefen wir Susanne um 19 Uhr an, sie freute sich dass es nun doch los ging und wir verblieben so, dass Thilo und ich so lange es uns zuhause noch gut ging hier blieben. Innerhalb kürzester Zeit musste ich mich während einer Wehe voll und ganz aufs Atmen konzentrieren. Und die Wehen kamen in regelmäßigen Abständen von 3 min und dauerten ca. 1 min. Da wir einen Weg von min. 45 min hatten, entschieden wir uns nach 3 h ins Geburtshaus zu fahren.
In Idstein angekommen, erwartete uns ein warmes gemütliches Zimmer (ich wählte das kleinere Zimmer, in dem auch die letzten Vorsorgeuntersuchungen stattfanden, es kam mir am vertrautesten vor). Meine Sorge war etwas, das die Wehen wieder abnehmen oder gar aufhören - doch sie blieben stark. Thilo und Susanne räumten das Zimmer mit unseren Dingen ein und bezogen das Bett. Sehr viel bekam ich davon nicht mehr mit: Ich bewegte mich schon in dem Kreislauf des: Wehe kommen lassen – Atmen – Wehen pause genießen – Positionswechsel – Wehe kommen lassen - …
Susanne ließ uns überwiegend alleine und schaute ab und an wie es uns ging. Später kam noch die derzeit hospitierende Katrina und begrüßte uns. Das Zeitgefühl hatte ich längst verloren. Irgendwann schlug Susanne vor die Wanne einzulassen und ich war sehr positiv davon überrascht wie sehr die „Schwerelosigkeit“ es mir erleichterte zwischen den Wehen zu entspannen – denn inzwischen überrollten mich die Wehen und mit ihnen die Schmerzen. Und ich hatte immer wieder Momente, da hing ich in einer Wehenpause wimmernd am Beckenrand, mit dem Gedanken nicht weiter zu können. Die Hebammen sprachen mir ständig Mut und Kraft zu. Thilo hielt mich zwischen den Wehen fest und kühlte mir die Stirn. Sie animierten mich aller regelmäßig zu trinken und weiter zu machen. „Tapfer zu sein“. Susanne rief Yvonne an die 2. Hebamme. Und ich dachte: „oh – juhuh … ich bin dem Ende nahe“. Vielleicht dachten wir das alle – doch es dauerte noch einige Zeit. Meine Wehen wurden schwächer und meine Kraft weniger. Regelmäßig kontrollierten die Hebammen die Herztöne vom Kind. Und nach einer Pressphase, die mir unendlich lang vorkam … habe ich Lovis geboren. Ab diesem Moment waren die Wogen der Wehen vorbei und alles fühlte sich friedlich an. Nachdem die Nabelschnur durchgetrennt wurde und auch die Plazenta geboren war sind Thilo, Lovis und ich ins Bett umgezogen. Susanne, Yvonne und Katrina ruhten nicht – sondern räumten alles um uns herum auf und ließen uns dann alleine zusammen ankommen. Später machten Thilo und Yvonne mit Lovis die U1 und ich wurde von Susanne versorgt. Zwei Stunden nach der Geburt packten wir unsere Sachen ins Auto und fuhren ins graue Morgenlicht, nach Hause, zu dritt!
Tausend Dank an alle Hebammen des Geburtshauses während der Schwangerschaft und an Susanne, Yvonne und Katrina, die die Geburt von Lovis so toll begleitetet haben.
Wir würden allen Menschen raten eine außerklinische Geburtsbegleitung zu wagen und/oder die Vorsorge in Schwangerschaft von Hebammen durchführen zu lassen. Wir haben uns jederzeit toll umsorgt gefühlt: von der 1. Vorsorge bis zum Aufwiedersehen nach der Geburt