Geburtsbericht - Famile Kuchelka

 

Mein erstes Kind ist im Krankenhaus zur Welt gekommen. Es war leider aus verschiedenen Gründen eine schlechte, schmerzhafte Erfahrung. Als ich wieder schwanger wurde, musste ich psychologische Hilfe suchen, um die 1. Geburt aufzuarbeiten und die 2. Geburt vorzubereiten. Meine Psychologin hat mir von Anfang an empfohlen, mich bei dem Geburtshaus in Idstein oder Frankfurt zu informieren, ob es evtl. für mich was wäre, dort zu entbinden. Das Geburtshaus Idstein kannte ich bereits aus der Erzählung einer Arbeitskollegin, die dort ihre 2 Kinder bekommen hatte. Ich war zwar etwas skeptisch, aber mein Mann und ich haben uns für den Infoabend angemeldet und dann für ein persönliches Gespräch im Geburtshaus.

Am Anfang war ich auf der Warteliste. Das traf sich gut, weil ich immer noch nicht komplett überzeugt war: keine Möglichkeit für eine PDA (obwohl die PDA bei der 1. Geburt wenig geholfen hatte), die relativ lange Fahrt bis zum Geburtshaus mit Wehen, die zusätzliche Fahrt bis zum Krankenhaus bei Notfällen… Aber nach dem 2. Termin habe ich mich im Geburtshaus so wohl gefühlt, dass ich mir nicht mehr vorstellen konnte, woanders zu entbinden. Nach dem 3. Ultraschall habe ich die Vorsorge nur noch dort gemacht. Meine Schwangerschaft lief sehr gut und ich fand die Betreuung im Geburtshaus sehr schön. Die Hebammen untersuchen uns mit ihren Händen, sie berühren den Bauch, begrüßen das Baby, sie nehmen sich Zeit, um Fragen zu klären. Das hat mir sehr gefallen und das Vertrauen ist so gewachsen. Für mich war es auch wichtig die Personen zu kennen, die bei der Geburt dabei sein werden. In der Klinik lernt man die Hebammen vorher nicht kennen, man weiß nicht, wer dabei sein wird und ob es während der Geburt einen Schichtwechsel gibt… Im Geburtshaus ist das anders und ich habe mich bemüht im Laufe der Schwangerschaft alle Hebammen kennen zu lernen.
Die Geburt
Die ersten Wehen kamen morgens gegen 5:30Uhr. Sie waren stark, aber nicht lang und kamen alle 10 Minuten. Gegen 8:30 Uhr haben wir Anna angerufen, die an dem Tag Rufbereitschaft hatte. Sie meinte, dass wir warten sollen, bis die Wehen alle 3 bis 5 Minuten kommen. Das ist aber nie passiert… den ganzen Tag habe ich meine ganze Familie auf Trapp gehalten. Wir sind zehnmal spazieren gegangen, ich habe die Fenster geputzt, ich konnte einfach nicht stillsitzen, denn die Wehen waren nur stehend zu ertragen. Gegen 16 Uhr hat mich Anna angerufen, aber die Wehen kamen immer noch in Abständen von 8 bis 10 Minuten, waren immer noch sehr kurz und die Fruchtblase war nicht gesprungen. Wir sollten noch warten. Gegen 18 Uhr habe ich angefangen Druck auf den Schamlippen zu spüren und die Wehen kamen endlich jede 6. Minuten. Leider hat es nicht lange gehalten und nach ca. 1 Stunden sind die Abstände wieder länger geworden. Da habe ich Anna angerufen, denn ich wollte endlich wissen, ob sich was getan hatte oder nicht. Wir haben vereinbart, uns im Geburtshaus zu treffen. Mit 2 Wärmeflaschen um den Bauch, um die Wehen zu ertragen, sind wir losgefahren. Kaum im Geburtshaus angekommen sind die Wehen endlich stärker und in kürzeren Abständen gekommen. Dann ging alles sehr schnell. Anna ist angekommen, sie hat die Wanne vollgemacht. Sehr schnell sind die Presswehen gekommen und um 21:26 Uhr war unsere Tochter da. Wir waren nicht mal eine Stunde im Geburtshaus. Meine Tochter habe ich selbst aus dem Wasser geholt und dann konnten wir sie endlich bewundern und kuscheln.
Im Gegenteil zu der Geburt im Krankenhaus wurde ich von Anna nicht untersucht. Es hat keine Rolle gespielt, ob der Mutterhals die berühmte 10 Zentimeter-Eröffnung erreicht hatte oder ob die Fruchtblase geplatzt war. Ich habe auf meinen Körper gehört und konnte pressen, als ich mich so weit fühlte. Als das Köpfchen fast raus war, hat mich Anna dazu gebracht, es zu berühren. Das fand ich sehr schön und es hat mir Kraft für die letzten Wehen gegeben.
Ich blicke sehr gerne auf die Zeit im Geburtshaus zurück, sowohl die Zeit während der Schwangerschaft als die Geburt selbst und werde es vermissen, dort zu sein. Vielen lieben Dank an alle für die großartige Betreuung.