Geburtsbericht - Familie Koch

 

Ich wurde online aufs Geburtshaus Idstein aufmerksam, als ich mich länger vor meiner Schwangerschaft nach Klinik-Alternativen in der Gegend umsah. Ein sehr negativer Klinik-Bericht aus meiner Familie hatte mich geprägt. Als ich schwanger wurde, meldeten wir uns früh zum Online-Info-Abend an, wo sich mein Mann ebenfalls schnell von dem Konzept überzeugte. Ich wechselte die Vorsorgen im Geburtshaus (wo wir einen festen Platz zugesagt bekamen) und bei der Gynäkologin ab. Im Geburtshaus fiel mir die um Längen bessere Aufklärung auf und gab mir Sicherheit.

Da ich selbst in einem ärztlichen Beruf arbeite, waren mir die Besuche bei der Gynäkologin dennoch wichtig. Manchmal empfand ich dabei den Konflikt zwischen der ärztlichen und der Hebammen-Sichtweise als herausfordernd.Der Ausblick auf eine selbstbestimmte, natürliche Geburt in einem persönlichen, vertrauten Umfeld ohne große Eingriffe von außen half mir jedoch, Vertrauen in meinen Körper zu entwickeln und Ängste loszulassen. Die Hebammen unterstützten mich dabei maßgeblich, z.B. durch einen "außerplanmäßigen" Termin kurz vor der Geburt, bei dem nochmal in Ruhe verschiedene kürzlich aufgekommene Fragen beantwortet wurden. Ich fühlte mich jederzeit willkommen, sicher und ernst genommen.Hervorheben wollen wir auch den genialen Paar-Geburtsvorbereitungskurs bei Katrina, die uns auf humorvolle und einfühlsame Weise fundiertes Wissen vermittelte und uns ermutigte, selbstbestimmte Entscheidungen rund um die Geburt zu treffen. Am Geburts-Tag unseres Sohnes (3 Tage vor ET) erwachte ich früher als sonst und bemerkte eine leichte Blutung sowie die erste "schmerzhafte" Wehe. Im Vergleich zu den zahlreichen schmerzlosen Übungswehen der letzten Wochen war das auf jeden Fall anders! Die Blutung beunruhigte mich etwas und so konsultierte ich am Vormittag das erste Mal Susanne in der Rufbereitschaft. Sie bestätigte mir, dass es sich um die Zeichnungsblutung handelte und der Geburtsverlauf damit ganz langsam in Gang komme. Die Wehen blieben zunächst unregelmäßig und wir entspannt.Ca. 14:00 telefonierte ich ein zweites Mal mit Susanne. Meine Fruchtblase war gesprungen. Sie erklärte, dass wir den Wehen nun ein paar Stunden Zeit geben würden, sich zu intensivieren und wir verabredeten uns auf 18:00 im Geburtshaus, um nach dem Rechten zu sehen.Die Wehen intensivierten sich! Wir packten am Nachmittag die Koffer fertig und mein Mann notierte die Wehenabstände. Jede meiner Aktivitäten dauerte ewig, da die Kontraktionen häufiger und anstrengender wurden. Die Autofahrt ins Geburtshaus war schon nicht mehr angenehm.Dort angekommen, bekamen wir Tee und Kaffee und Susanne sowie Caro, die von Anfang an mit dabei war, machten einen sehr entspannten Eindruck. Es würde wohl noch einige Zeit dauern. Da ich mich als Erstgebärende auf eine Geburtsdauer von bis zu 24 Stunden eingestellt hatte, fragte ich mich ernsthaft, wie ich diese jetzt schon sehr starken Wehen noch die ganze Nacht aushalten sollte und die fehlende Möglichkeit der Schmerzmittelgabe flößte mir etwas Respekt ein. Im Nachhinein gesehen motivierte mich der Gedanke, dass ich es "so schaffen" müsste, jedoch sehr. Ich weiß nicht, ob ich in einer Klinik so viel Disziplin aufgebracht hätte. Das Geburtshaus hat uns somit zu einer schmerzmittelfreien (und sicher schnelleren) Geburt verholfen.Bis ca. 19:30 verbrachte ich aufgrund des unangenehmen Gefühls des austretenden Fruchtwassers viel Zeit auf der Toilette. Zwischen den Wehen hatte ich mittlerweile oft schon keine Pausen mehr.Im Anschluss stieg ich in die Wanne, das Wasser war herrlich warm. Susanne versprach sich davon wieder mehr Pausen und der Effekt war unmittelbar spürbar. Ich liebte das Gefühl, im Wasser zu sein. Mein Mann saß draußen auf einem kleinen Hocker und musste meinen Klammergriff aushalten. In den Wehenpausen bekam ich Getränke angereicht, dazwischen wusste ich bald schon nichts mehr. Einen Motivationsschub stellte die Tatsache dar, dass Susanne, als sie in der Wanne das erste Mal den Muttermund tastete, diesen schon über die Hälfte geöffnet vorfand. Eine zweite gute Motivation war die Hebammenschülerin, die irgendwann dazu kam, denn dann konnte es ja nicht mehr bis morgen früh dauern. Ich tönte laut. Es war eine Grenzerfahrung, mit der unkontrollierbaren Kraft des eigenen Körpers und dem Schmerz klarzukommen und das Ende nicht abschätzen zu können. Susanne und Caro unterstützten mich wunderbar durch die wiederkehrende Versicherung, dass ich das gut machte, sowie Vorschläge für hilfreiche Positionswechsel und die Erinnerung ans Entspannen und richtiges Atmen. Als unglaublich tröstend empfand ich auch die körperliche Nähe meines Mannes, der mich über den Wannenrand hinweg festhielt. Susanne nahm unter Wasser regelmäßig die Herztöne des Babys ab. Sie und Caro waren die ganze Zeit präsent und hatten die Situation im Griff, agierten gleichzeitig aber unaufdringlich und im Einklang mit uns. Manchmal hätte ich mir noch die eine oder andere Erklärung zur Geburt an sich gewünscht, da es mir schwerfiel, mein theoretisches Wissen über Geburtsablauf etc. auf mein Erleben anzuwenden.Am Ende der einstündigen Austreibungsphase flutschte unser kleiner Junge während einer einzigen Wehe komplett aus mir heraus. Es war 22:01. Er schrie gleich ordentlich los und ich fand ihn von Anfang an wunderschön.Da mit dem Baby relativ viel Blut abgegangen war, wurde ich schnell aus der Wanne bugsiert, um das abzuklären und bekam unseren Sohn im Bett zum ersten Mal in den Arm gelegt. Er schmatzte richtig schnell los und wollte trinken. Danach fiel er in einen tiefen Schlaf.Mein Kreislauf brauchte ein paar Aufsteh-Anläufe, aber nach einer kräftigenden Suppe und knapp 5h Zeit zum Ausruhen fuhren wir völlig fertig, überglücklich und sehr stolz nach Hause.Die Geburtshaus-Geburt war etwas sehr besonderes und ein in Erfüllung gegangener Traum. Vielen Dank für eure zutiefst menschliche und wertschätzende Arbeit!