Geburtsbericht - Familie Nickolaus

 

Über eine Reportage, die ich erst nach der Geburt meines ersten Kindes gesehen hatte, wurde ich auf die Existenz von Geburtshäusern aufmerksam. Die Idee einer Geburt bei einer normalen, gesunden Schwangerschaft unter einer 1:1 Betreuung allein durch Hebammen gefiel mir sofort. Bei meiner ersten Geburt, die im Krankenhaus stattfand, empfand ich die Atmosphäre außerhalb des Kreißsaals als sehr gehetzt und ich kam mir unter den erkrankten Patienten der anderen Abteilungen fehl am Platz vor. Daher waren mein Partner und ich sehr glücklich über die erfolgreiche Anmeldung im Geburtshaus Idstein. Die Vorsorge Untersuchungen fanden von da an im Wechsel mit der Frauenärztin statt.

Dabei hatte ich die Gelegenheit alle Hebammen kennenzulernen und habe mich immer gut aufgehoben und ehrlich beraten gefühlt. Mir wurden alle Untersuchungen im Vorfeld erklärt und bei zusätzlichen Untersuchungen immer wertungsfrei die Vor- sowie Nachteile inkl. der möglichen Konsequenzen dargelegt. Mir konnten alle meine Fragen während der Untersuchung wissenschaftlich fundiert und mit viel Empathie beantwortet werden, so dass ich immer eine mündige Entscheidung treffen konnte und mich nach den Terminen im Geburtshaus gestärkt fühlte. Zusätzlich zu den Vorsorge Untersuchungen besuchte ich den Geburtsvorbereitungskurs für Mehrgebärende bei Laura, der mir sehr geholfen hat in "Schwangerschaftsstimmung" zu kommen und bei dem ich die Gelegenheit hatte die vorangegangene Geburt zu reflektieren, altes Wissen aufzufrischen und auch Neues dazu zu lernen. Als meine Tochter mich über die Maßen zappeln lies, da sie sich nicht annähernd an den ET halten wollte, standen mir die Hebammen immer mit Rat und Tat zur Seite und bestärkten mich weiter darin geduldig zu sein. Am Tag vor der Geburt wurden im Geburtshaus noch verschiedene Methoden zur natürlichen Einleitung durchgeführt und wahrscheinlich der entscheidende Tipp gegeben, das ältere Geschwisterkind mal außer Haus zu schicken. Am folgenden Tag bei ET+12 waren die Großeltern schon bestellt, als um 7 Uhr morgens die Wehen losgingen. Bei einem Wehen Abstand von 4 bis 6 min entschieden mein Partner und ich uns die diensthabende Hebamme Laura anzurufen. Da meine erste Geburt auch recht schnell verlief, sprachen wir ab, dass wir uns direkt auf den Weg zum Geburtshaus machen würden. Dort angekommen durfte ich mir eines der beiden Geburtszimmer aussuchen und es wurden als erstes die kindlichen Herztöne mittels Fetaldoppler abgehört. Anschließend wurde ich gefragt, was mir bei der Wehen Arbeit helfen würde. Da mir Wärme guttat, bekam ich ein Kirschkernkissen gebracht. Außerdem wurde die Geburtswanne befüllt. Bei allen Untersuchungen und Absprachen wurde Rücksicht darauf genommen ob ich mich gerade in einer Wehen Pause befand und ansprechbar war. Bis in die Wanne schaffte ich es nicht mehr, da meine Tochter es dann auf einmal doch sehr eilig hatte. 25 min nach Ankunft im Geburtshaus platzte meine Fruchtblase und ich fühlte direkt einen Pressdrang, was mich aufgrund der Geschwindigkeit des Geburtsverlaufs kurzzeitig in Panik versetzte. Laura war aber direkt mit den richtigen Worten an meiner Seite, so dass ich mich ganz auf die Geburt konzentrieren konnte. 33 min nach Ankunft im Geburtshaus erblickte unsere Tochter gesund und munter das Licht der Welt. Sie schrie sofort und mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich durfte sie direkt zu mir nehmen und kuschelte mich mit ihr ins Bett, während die Hebammen mich noch bei der Nachgeburt unterstützten, die kurz darauf erfolgte. Nachdem meine Tochter ihre erste Stillmahlzeit bekommen hatte, wurde die U1 durchgeführt und parallel meine leichten Geburtsverletzungen verarztet. Alles verlief reibungslos und ohne große Hektik. Im Anschluss durften wir uns bei Tee und Keksen alleine zurückziehen. Insgesamt war die Atmosphäre während der gesamten Geburt sehr entspannt. Ich durfte mich die gesamte Zeit frei bewegen und mir meine Positionen selbst aussuchen. Laura hatte genau das richtige Gespür dafür, wann ich Unterstützung brauchte und wann nicht. Ich bin sehr dankbar für diese Geburt und wünsche allen schwangeren Frauen, dass sie sich unter der Geburt genauso gut aufgehoben fühlen werden.