Geburtsbericht - Familie Kassel

 

Am 03.08.2022 kam unser kleiner Henri im Geburtshaus in Idstein auf die Welt und im Nachhinein betrachtet war es genau die richtige Entscheidung diesen Ort als Geburtsort für unseren kleinen Sohn zu wählen. Die Gründe, warum ich mich für eine Geburt in einem Geburtshaus entschieden habe, sind nicht in einem Satz zu erklären: Zuallererst waren meine große Schwester und ich beide Hausgeburten. Meine Mutter hat mir immer davon erzählt, was sie damals dazu bewegt hat, zuhause zu gebären und hat die Geburt immer als etwas Schönes (wenn auch schmerzhaft) und Natürliches beschrieben.

Das heißt ich hatte immer einen Zugang zu natürlichen Geburten und habe von meiner Mutter eine „gesunde“ Einstellung zum Thema vermittelt bekommen. Keine Panikmache, keine Horrorgeschichten, sondern das Vertrauen in den weiblichen Körper und die Natur. Ich hatte zu keiner Zeit Angst vor der Geburt oder den Schmerzen. Nachdem ich vor ein paar Jahren ein Praktikum im Kreissaal eines Krankenhauses gemacht hatte, um mich beruflich zu orientieren, habe ich festgestellt, was für ein Know How Hebammen haben und dass ich persönlich die Anwesenheit von Ärzten immer als störend empfunden habe. Ich habe mitbekommen, was es heißt, wenn zu wenige Hebammen für die Anzahl der Gebärenden zur Verfügung stehen und dass ein Unternehmen wie ein Krankenhaus, das Einnahmen und Ausgaben planen und sich am Ende rentieren muss, schlichtweg nicht mit Geburten zusammenpasst. Wenn man sich mal genauer mit Geburten auseinandersetzt, merkt man, dass Geburten im Krankenhaus mittlerweile recht weit weg von dem sind, was von der Natur als Geburt „gedacht“ war. Ich habe das Gefühl, dass sie vordergründig als etwas Negatives und Schmerzhaftes gesehen werden, wie eine Krankheit, die im Krankenhaus „behandelt“ werden muss, dabei rückt es leider immer weiter in den Hintergrund, dass der weibliche Körper im Zusammenspiel mit dem Baby das alleine schafft und völlig ungestört am besten „arbeiten“ kann. Mittlerweile ist es „normal“ eine PDA oder einen Kaiserschnitt zu wollen. Versteht mich nicht falsch, es ist toll, dass es all diese Mittel und Behandlungen gibt, wenn sie denn wirklich benötigt werden und viele sagen ja auch, sie hätten es ohne nicht geschafft, aber ich persönlich glaube daran, dass der weibliche Körper in der Lage ist all diese Schmerzen ohne jegliche Schmerzmittel auszuhalten. Wir sind nämlich eigentlich auch mit körpereigenen „Schmerzmitteln“ ausgestatten und diese Hormone, die die Geburt voran treiben und steuern, spielen dabei eine tragende Rolle - wenn man sie lässt. Denn sie sind eben auch sehr störanfällig und können durch Frust, Angst, Unwohlsein usw. beeinflusst werden. Dann funktioniert das gesamte sensible Konstrukt das der Körper für die natürliche Geburt bereit hält, nicht mehr (vollständig) und es erscheint so, als müsse nun von außen eingegriffen werden. Allerdings sind, meiner Meinung nach, genau die Umstände um die Geburt herum der Grund, warum es erst dazu kommt, dass eingegriffen werden „muss“. Lange Rede kurzer Sinn: Ich wollte für mich und mein Kind eine möglichst natürliche Geburt, ohne Eingriffe von außen in einem mir bekanntem und vertrautem Umfeld. Dass ich mich nicht für eine Hausgeburt entschieden habe, liegt daran, dass ich mich im Geburtshaus selbst für meine erste Geburt doch nochmal ein Stück sicherer gefühlt habe. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in anderen Ländern übrigens immer noch normal seine Kinder Zuhause zu bekommen. Der Verlauf meiner Geburt hat mich zu hundert Prozent darin bestätigt, dass meine Wahl genau die richtige Entscheidung war: Um vier Uhr nachts gingen meine Wehen los, erst etwas leichter, wie Menstruationsschmerzen, dann wurden sie langsam stärker zu Wehen, die ich schon veratmen musste. Ich dachte, dass das noch ziemlich lange dauern wird, da ich vorher vom Geburtshaus über die Latenzphase aufgeklärt wurde, die gerade bei Erstgebärenden sehr lange dauern kann, man hat also ernstzunehmende Wehen, durch die aber vor allem der Muttermund weich gemacht und richtig ausgerichtet wird. Gegen 6 Uhr informierten wir Carolin, die Hebamme mit Rufbereitschaft an diesem Tag, dass ich schon recht regelmäßige Wehen habe, wir wollten uns einfach mal melden und Bescheid geben, dass es bei uns definitiv losgegangen zu sein scheint. Auf ihr anraten legte ich mich nochmal in die Badewanne und schlief sogar in den Wehenpausen immer kurz ein - selbstverständlich unter Aufsicht meines Mannes, damit ich nicht untergehe 😉. Kurz vorher, als ich auf Toilette ging, verlor ich den Schleimpfropf, auch darüber informierten wir Carolin kurz. Sie war sehr entspannt und meinte, wir können gerne so lange zuhause bleiben, wie wir uns wohlfühlen. Da ich mich in der Badewanne so schwerelos super wohl fühlte und die Wehen dadurch viel aushaltbarer wurden, blieb ich recht lange darin, obwohl die Abstände zwischen den Wehen immer kleiner wurden. Als ich versuchte aufzustehen, um auf Toilette zu gehen, merkte ich erst durch die Schwerkraft, wie alles schon sehr stark nach unten drückte und ich sogar schon kurzzeitig das Bedürfnis verspürte mitzudrücken. Wir beschlossen dann, dass es Zeit wäre, besser in’s Geburtshaus zu fahren. Mein Mann informierte Carolin und so fuhren wir die 15 Minuten nach Idstein, während ich im Auto mehrere Wehen hatte und veratmete. Um 9 Uhr kamen wir dort an, ich kannte, bis auf eine Hebammenschülerin, alle anwesenden Hebammen (Carolin und Anna) und auch die Räumlichkeiten und so war das Ankommen dort sehr angenehm und vertraut. Carolin untersuchte mich daraufhin und stellte fest, dass mein Muttermund bereits 9 cm geöffnet war. Es dauerte also nicht mehr lange und nach 1,5 Stunden vor Ort kam schon unser Sohn zur Welt. Während den Wehen leitete Carolin mich immer wieder an und gab mir Ideen und Anregungen, wie ich mich bewegen kann, damit wir dem Kleinen Platz machen und helfen können. Aber alles ohne Zwang, ich konnte das machen, wie es sich für mich gut anfühlte und sie gab mir den Schubs in die richtige Richtung. Zwischendurch hörte Carolin regelmäßig die Herztöne von Henri ab, was mich beruhigte, da ich dadurch wusste: ihm geht es gut und er wird, trotz nicht verwendetem CTG (was Standard ist in Kliniken, soweit ich weiß), gut überwacht. Und dann hatte ich den Kleinen auch schon auf meiner Brust liegen. Die Nabelschnur durfte in Ruhe auspulsieren und dann löste sich wenig später auch schon die Plazenta und kam als Nachgeburt raus. Wir durften sie anschauen und es wurde uns nochmal erklärt, wie genau unser Sohn darin lag. Nach der Geburt kümmerten sich alle Anwesenden total um uns. Meine Geburtsverletzungen wurden angeschaut und später genäht - mir wurden sogar die Beine abgewaschen, weil die Geburtsverletzungen dort recht viel Blut hinterlassen hatten. Für die Rückbildung bekam ich direkt einen speziellen Tee zubereitet und wir bekamen dann Zeit mit dem Kleinen zu kuscheln. Nach ca. 3,5 Stunden fuhren wir dann nach Hause und am Abend kam dann auch schon unsere Wochenbetthebamme, um nach uns zu sehen. Alles in allem war es ein tolles Erlebnis, eine schöne Geburt in angenehmer Atmosphäre und Carolin war für mich an diesem Tag genau die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort (nämlich bei meiner Geburt dabei 😉). Ich habe mich super gut aufgehoben gefühlt und bin sehr dankbar für die Möglichkeit dort entbunden haben zu dürfen.