Geburtsbericht - Familie Marquardt

 

Ingmar – zwei Jahre zuvor...

Immer wieder haben wir schwierige oder sogar dramatische Geburtsberichte gehört und entsprechende Bilder aus Film und Fernsehen im Kopf gehabt, dass Geburt mit schlimmen Schmerzen, Schreien und Blut in Verbindung stehen muss – und wir waren uns einige: so sollen unsere Kinder wenn möglich nicht geboren werden.

Auf einem alternativen Gesundheitsseminar haben wir erstmals von Hypnobirthing erfahren, einer Methode zur Unterstützung einer sanften, natürlichen Geburt. Sofort haben wir uns das Standard-Buch gekauft und die nächsten Monate zusammen gelesen. Mit der Zeit änderten sich die „eingebrannten" Bilder im Kopf und wurden ersetzt durch die reale Möglichkeit, dass schöne Geburtserlebnisse möglich sind.

Auf diese Weise haben wir uns weiter vorbereitet, bis irgendwann die Entscheidung fiel: Jetzt sind wir bereit für unser erstes Kind!

Im Laufe der Schwangerschaft festigte sich auch unsere Entscheidung, die Geburt im Geburtshaus Idstein erleben zu wollen - aufgrund vieler toller Erlebnisse beim Infoabend, dem Geburtsvorbereitungs-Kurs und den „Vorfreude-Untersuchungen" (so haben wir „Vorsorge"-Untersuchungen für uns genannt, denn wieso sollten wir uns von außen Sorgen und Ängste aufladen lassen, wo wir durch unser Gefühl und ursächliches Symptomverständnis sicher waren, dass alles in bester Ordnung ist?).
Wir freuten uns auf die Geburt unseres Sohnes im Geburtshaus Idstein und waren bereit :-)

Isabel – jetzt geht's los...

August 2014 - 1:30 Uhr Meine volle Blase hat mich mal wieder geweckt. Auf dem Weg zur Toilette merke ich allerdings, dass es wohl nicht nur die Blase war, da ich außerdem auch ein periodenähnliches Ziehen verspüre. Geht's jetzt los?

Zurück im Bett überprüfe ich in welchen Abständen das Ziehen auftaucht...
... 5min ... oh, eigentlich wollten wir bei einem Abstand von 8 Minuten ins Geburtshaus fahren, allerdings war das „Ziehen" ja noch nicht sehr stark. Lieber mal Cora anrufen. Nachdem sie die Stärke und die Abstände erfragt hat, rät sie zu einem Bad um zu prüfen, ob es tatsächlich losgeht. Der werdende Papa lässt also Wasser in die Wanne und während ich gespannt auf dem Pezziball die leichten Wellen erfahre und die gelernten Atemtechniken ausprobiere. In der Wanne werden die Wellen tatsächlich stärker, es scheint also wirklich loszugehen :-)

3:15 Wellenabstand: 4,5 Minuten
Ich habe das Gefühl, wir sollten noch mal im Geburtshaus anrufen, da ich die Wellen jetzt schon deutlich veratmen muss. Gesagt getan: Ingmar ruft also noch mal Cora an (wirklich toll, das Hebammen nachts für einen da sind, obwohl da doch jeder Mensch schlafen möchte), die mich im Hintergrund schon hört und das „ok" zum Losfahren gibt.

3:30 Da die Taschen ja schon seit ein paar Wochen gepackt waren, konnte es losgehen. Auf der Fahrt hörten wir die vorbereiteten Geburts-Affirmationen (vom werdenden Papa vorgelesen) hinterlegt mit ausgewählter Entspannungsmusik. Entspannt sitzen geht während der Welle zwar nicht so wirklich gut, aber dazwischen schaffe ich es immer in den Sitz zu sinken und der Musik zu lauschen.

4:00 Ankunft im Geburtshaus: Wellenabstand 4 Minuten
Nachdem wir von einer gutgelaunten Cora schon erwartet werden, mache ich es mir noch mal auf einem Pezziball bequem, während das CTG meine Wellen misst.
Daraufhin prüft Cora, wie „fleißig" mein Muttermund schon war und siehe da, bis auf 1,5 cm war dieser schon offen. Auf dem gemütlichen Bett habe ich dann die weiteren immer stärker werdenden Wellen veratmet, während Ingmar meinen Rücken liebe- und kraftvoll massiert hat. Gerade als Cora sagte, ich solle Bescheid geben, wenn sie Wasser in die Wanne lassen soll, machte es „blubb" in mir drin und warme Flüssigkeit lief heraus. Das Öffnen der Fruchtblase hat sich wirklich ulkig angefühlt. Ja, jetzt war ich bereit für die Wanne!

5:30 In der Wanne: Wellenabstand 3 Minuten
Zusammen mit Ingmar in der Wanne steigerte sich kontinuierlich die Intensität der Wellen. Zwischen diesen gelang es mir im Wasser allerdings sehr gut komplett zu entspannen. Ich konnte regelrecht spüren, wann die nächste Welle begann, konnte mich in Position bringen, die gelernte Atmung ausüben und merkte dann auch schon wie die Welle wieder abebbte. „Welle" ist wirklich eine gute Bezeichnung dafür!
Die Schmerzen am Rücken waren die unangenehmsten während dieser Zeit.
Die zweite Hebamme wurde angerufen, da es nun bald soweit sein sollte.

7:00 Die Geburtswellen : Wellenabstand 2 Minuten
Plötzlich änderte sich die Art der Welle und das Bedürfnis nach unten zu schieben war sehr stark. Es war recht schnell klar, dass ich zusätzlich zur Geburtsatmung noch mehr tun musste. Cora half mir, indem sie mir erklärte wo genau ich „hinschieben" muss, die Kraft ganz nach unten ausrichten und nicht nur im Gesicht verkrampfen.
Aufgrund der hohen Wasser- und Raumtemperatur hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass mein Kreislauf zusammenklappt, aber das haben die Hebammen direkt bemerkt und mit homöopathischen Mitteln dagegen gewirkt.
Zwischendurch konnte ich immer wieder fühlen, wie weit das Köpfchen mittlerweile schon gewandert war, das war eine riesige Motivation und aufregend zu wissen, dass wir bald unseren Schatz in den Armen halten dürfen.
Bei der Überprüfung der Herztöne des Babies wurde festgestellt, dass diese während der Welle etwas zu tief waren, so dass mir Cora irgendwann noch drei Versuche gab und dann ein Dammschnitt gemacht werden müsse. Nach den drei Versuchen war der Kopf allerdings soweit, dass ich auch noch einen vierten allerletzten bekam.
Mein Körper nahm sich noch mal eine 4 minütige Entspannungsauszeit und während der nächsten Welle legte ich dann wirklich alle Kraft hinein und schob über die Welle hinaus das Köpfchen hinaus! Eine weitere Welle später kam dann auch der Körper problemlos hinaus. Kurz aufgefangen von Cora durfte ich den kleinen Spatz dann selbst aus dem Wasser zu mir fischen.

Ein unglaubliches Gefühl dieses Wunder in den Armen zu halten, das uns direkt mit großen Augen aufmerksam ansah.

Lion - Hallo hier bin ich...

Huch, was ist das denn? Da wurde es in den letzten Stunden immer enger und enger und jetzt auf einmal diese Weite... Am Ende blieb mir fast noch die Luft weg – ob das wohl daran lag, dass sich meine Nabelschnur um den Hals gewunden hat? Dies führte wohl auch zu den Verlangsamungen der Herzschläge bei der Welle, aber Cora hat die Nabelschnur beim Auffangen schnell und problemlos entwickelt.
Und wer schaut mich da mit einem so großen Strahlen an? Das müssen wohl meine Eltern sein. Gut dass sie so nah sind und wir ganz viel kuscheln können, das hilft mir mit der neuen Situation leichter zurecht zu kommen.

Jetzt bleibe ich erstmal ganz nah bei Mama – und Papa steigt aus der Wanne, um Fotos zu machen und die Nabelschnur zu durchtrennen, nachdem sie ganz in Ruhe auspulsiert ist. Ich merke dass sich Mama nochmal ein paar Wellen anstrengen muss, damit die Plazenta geboren wird. Mit mir im Arm ist das aber auch gut machbar :-)

Danach dufte ich außerhalb des Wassers mit Papa auf seinem Arm schmusen, während Mama in der Wanne abgeduscht wurde und sich dann mit Coras Hilfe aufs Bett lag. Mama wirkt irgendwie schon richtig fit, obwohl sie doch gar nicht so viel Schlaf diese Nacht hatte.

Während ich in Sichtweite von meiner Mama von Cora, deren Stimme ich ja schon von der Schwangerschaft kenne, gewogen und gemessen wurde, stand Papa direkt daneben, berührte mich fast ununterbrochen und schaute ganz genau zu. Danach wurde ich noch angezogen, auch wenn mir irgendwie alles viel zu groß war. In meinem Autositz schlief ich dann auch kurz darauf ein.

3 Stunden bin ich nun auf der Welt und darf jetzt auch schon nach Hause, wo ich mich gemütlich mit meinen Eltern ins Familienbett kuscheln darf. Ich bin ja schon so gespannt, was mich in den nächsten Tage, Wochen, Monaten und Jahren erwarten wird!

Vielen Dank an die Hebammen im Geburtshaus für die tolle und angenehme Betreuung während der Schwangerschaft und der Geburt. Wir haben unsere Wunschgeburt erleben dürfen!

 

Eltern über das Geburtshaus

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