Geburtsbericht - Familie Lauth
Samstagmorgen (01.11.25) fingen gegen 4:30 Uhr meine Wehen an, sodass ich nicht mehr wieder einschlafen konnte. Nachdem ich das Kommen und Gehen der Wehen ein paar Stunden beobachtet hatte, rief ich das erste Mal die Rufbereitschaft des Geburtshauses an, um mich zu vergewissern, dass wir noch weiterhin abwarten können. Gegen Abend nahm die Intensität der Wehen zu und der Schmerz veränderte sich in soweit, als dass ich ein starkes Ziehen im unteren Rücken bei jeder Wehe spürte. Mein Partner entlastete mit Gegendruck und Massage den Schmerz.
Am Abend rief ich erneut die Rufbereitschaft an, um zu erfragen, ob wir die Nacht noch zuhause verbringen können und sollen. Mit Carolin besprach ich das weitere Vorgehen, den derzeitigen Zustand. Carolin stellte sich auf eine Nacht- oder frühe Morgen-Begegnung ein im Geburtshaus.
Ich verbrachte die Nacht mit den Wehen, die nun regelmäßig kamen und stärker wurden und versuchte, in den Pausen zu ruhen, so wie Carolin mir empfohlen hatte – an Schlaf war nicht mehr zu denken. Um 4 Uhr weckte ich schließlich meinen Partner, um ihn zum Aufbruch bereit zu machen und wir telefonierten erneut mit Carolin & vereinbarten ein Treffen im Geburtshaus um 6 Uhr.
Im Geburtshaus wurden wir schließlich von Carolin und einer Schülerin im Gartenzimmer empfangen: Der Raum war warm beleuchtet & geheizt, wir bekamen warmen Tee und Wasser angeboten. Unser mitgebrachtes Gepäck für die Geburt wurde entsprechend bereitgelegt (das Bett bezogen, die Handtücher zur Wanne gelegt etc.). Carolin untersuchte mich anschließend und stellte fest, dass der Gebärmutterhals schon zur Gänze verstrichen und mein Muttermund bereits 7cm eröffnet war. Ich war erleichtert: Wir waren nicht zu früh aufgebrochen und die Geburt bereits angebahnt.
Ich solle nun erstmal allen Bewegungen folgen, die sich für mich richtig anfühlten. Die Hebammen setzten sich an die Zimmertür, nahmen das Geschehen mit wahr und Carolin gab mir teils Impulse und ließ mich meinen Rhythmus finden.
In den Wehen wollte ich umhergehen, mein Partner unterstützte massierend meinen unteren Rücken, ich stützte mich an der Wickelkommode und der Badewanne ab, achtete auf eine tiefe Ein- und Ausatmung. Carolin bot mir auch andere Positionen – knieend vor dem Bett an – und legte mir eine Matte und ein Kissen dazu. Ich probierte es aus. Die Badewanne verneinte ich zunächst, auch wenn Carolin mir sagte, dass sich dies sicher entlastend auf meine Rückenschmerzen auswirken würde. (Meine Bedenken waren in dem Moment, dass ich es in der Wanne sitzend nicht lange aushalten würde, da ich in den Wehen die Bewegung brauchte, und dass dann das Wasser umsonst eingelassen worden war.)
Die Intensität der Wehen wurde stärker, ich schwitzte und spürte zunehmenden Druck auf meinen Po. Dies wurde der unangenehmste Teil, da ich das Gefühl zu drücken nicht unterbinden konnte und Stuhlgang befürchtete. Ich ging auf die Toilette. Die Wehen im Sitzen waren heftig. Carolin unterstützte mich emotional und auch mit Handlungsschritten vor der Toilettentür. Ich kehrte ins Zimmer zurück und Carolin sagte, „Ich glaube, du bist reif für die Wanne.“ Sie ließ diese zusammen mit der Schülerin langsam volllaufen, füllte das Meersalz ein und ich entschied mich erneut für die Toilette, da der Druck nicht nachließ. Nach weiteren Wehen lief mit einem Mal ein klarer und dickflüssigerer Schwall Flüssigkeit in die Toilette, teils auf den Fußboden und auf meine Socken. Die Fruchtblase war aufgesprungen. Carolin gab mir eine Binde und half mir beim Zurückgehen ins Zimmer und dem Einstieg in die warme Wanne. Ich sah ein, dass ich den Prozess des Stuhlgangs unter dem Druck nicht verhindern könnte und tastete mich in das Gefühl der Wanne. Die Wassertemperatur war angenehm. Inzwischen war auch die zweite Hebamme Zoe hinzugestoßen, hielt sich im Hintergrund und war doch mit ihrer ganzen Fürsorge und Wärme anwesend und involviert.
Sowohl mein Partner als auch die Hebammen sprachen mir Wertschätzung und positives Feedback zu; Carolin gab mir hilfreiche Hilfestellung bei der Atemtechnik als der Druck auf meinen Po angefangen hatte zuzunehmen. Ich musste lauter Tönen, dem Druck nachgeben und meine Atmung beschleunigte sich. Carolin hielt mich dazu an, dass ich mich anschließend wieder auf eine ruhigere Atmung einstellte, meinen Körper Stück für Stück entspannte. Die schrittweise und ruhige Anleitung half mir, die ruhigere Atmung bei den nächsten Wehen besser umzusetzen.
Ich bekam in der Wanne ein waagerechtes Brett angeboten, auf das ich mich im Vierfüßler-Stand, später im Ausfallschritt, auflehnen konnte. Zoe brachte mir einen kalten Waschlappen fürs Gesicht.
Die wohlwollende und ruhige Atmosphäre, das positive Zureden und auch meine Atmung halfen mir sehr dabei, in meinem Körpergefühl zu bleiben und Schritt für Schritt weiterzumachen. Alles fühlte sich natürlich an.
In der nächsten Phase gab mir Carolin zu verstehen, dass Pressen in Ordnung sei und dass ich nun in jeder Wehe ganz aktiv mitschieben könne. Noch spürte ich diesen Druck vornehmlich auf meinem Po, während sich das Baby Stück für Stück durch mein Becken bewegte. Mit dem Dopton nahm Carolin während der ganze Geburt die Herztöne des Kindes auf; die Werte dokumentierte Zoe.
Carolin fragte mich schließlich, ob ich fühlen könnte, ob sich im Scheideneingang eine Eiblase gebildet habe. Ich bejahte dies und befühlte die kleine Ausstülpung. Sie bat mich weiter, mit den Fingern einzugehen und nach dem Kopf des Kindes zu fühlen. Ich konnte ihn berühren und noch etwa einen halben Finger weiter nach innen spüren. Mit dem Fortschreiten der Wehen, dem aktiven Pressen, jedem Tönen und wieder Entspannen, kam der Kopf plötzlich näher und ich spürte ihn unmittelbar am Eingang meiner Vagina. Carolin fragte, ob sie Tasten dürfe und war positiv überrascht, dass er sich inzwischen den Weg so weit gebahnt hatte. „Jetzt ist es nicht mehr lange.“ Wir warteten noch weitere Wehen ab, bis mich Carolin bat, aufzustehen und dann weiter zu pressen, um die Schwerkraft zu nutzen. Mit einem Mal erschien der Kopf des Babys zwischen meinen Beinen, ich sah die dunklen Haare und wusste: gleich ist sie da.
Innerhalb der nächsten beiden Wehen kam unsere Tochter auf die Welt in Carolins Händen. Ich durfte mich dann wieder ins Wasser hocken, nachdem sie mir das wunderschöne Baby nach vorne in meine Hände gelegt hatte. Ich konnte sie betrachten während uns die Nabelschnur weiterhin verband und es war einfach nur friedlich und warm.
Nachdem wir aus der Wanne rausgeklettert waren, hatten wir Zeit für ein gemeinsames Ankommen zu dritt, Bonding, und ein erstes Stillen, wobei Carolin mich unterstützte. Auch die Nachgeburt kam zuvor intakt heraus und die späteren Untersuchungen von meiner Tochter und mir waren unauffällig und ergaben positive Werte.
Mein Partner und ich waren sehr glücklich in diesen Momenten und mit der gesamten Begleitung durch die Hebammen im Geburtshaus. Wir haben uns dort sicher, geborgen und gut begleitet gefühlt. Ich konnte selbstbestimmt und in wertschätzender Atmosphäre gebären. Vielen Dank
