Geburtsbericht – Familie A

Geburtsbericht - Familie A.

Ich erinnere mich noch gut an die Gefühle, die ich über die Geburt hatte, als ich schwanger wurde: Angst vor dem Schmerz, Sorge über den Verlauf, Ohnmacht in Bezug auf beides. Die Geburtsberichte, die ich bis dahin erzählt bekommen hatte, waren nicht das, was man als „friedlich“ oder „schmerzfrei“ bezeichnen würde. Trotz der besorgten Stimmen um uns herum haben wir uns für unsere erste Geburt für das Geburtshaus Idstein entschieden. Eine selbstbestimmte und natürliche Geburt erschien uns hier am ehesten möglich.

Am 19.10.25 um 2 Uhr weckte mich der mir bereits bekannte Schmerz im Unterleib, allerdings spürte ich erst gegen 4 Uhr einen klaren Anfang und auch ein Ende der Wehe. Ab da fing ich an, die Wehen zu tracken und war nach einer Stunde bei 1 Minute Wehen alle 5 Minuten. Ganz wie gelernt rief ich aufgeregt die Rufbereitschaft an und wurde von Maja noch einmal an die Latenzphase erinnert. Ich fühlte mich noch wohl zu Hause und konnte mit den Wehen alleine umgehen, und wir einigten uns darauf, dass ich mich melde, sobald sich das ändere. 1:30 h später war dieser Moment für mich gekommen, und nach einem erneuten Gespräch mit Maja verabredeten wir uns für 8 Uhr im Geburtshaus.

Maja hatte das Geburtszimmer vorbereitet und uns herzlich empfangen. Ich konnte mich noch zwischen den Wehen unterhalten, und wir kamen langsam an. Nach der ersten Untersuchung sagte Maja uns, dass der Muttermund ungefähr einen Zentimeter geöffnet war. Eine ernüchternde Nachricht, die mich zum Lachen brachte. Uns wurde die Wahl gelassen, noch einmal heimzufahren, spazieren zu gehen oder auch dazubleiben. Im Gegensatz zu meinem Muttermund hatte ich das Gefühl, schon viel weiter im Geburtsprozess zu sein, was den Schmerz und die stetige Intensivierung meiner Wehen anging. Deshalb entschied ich mich fürs Bleiben und sogar dafür, schon in die Wanne zu steigen.

Einige Zeit darauf wurde Maja von Carolin abgelöst, und Zoe kam danach auch hinzu. Die beiden beobachteten mich eine Zeit lang, sprachen mit mir und fragten nach meinem Zustand. Immer wieder hörten sie mit dem Dopton nach den Herztönen des Babys. Während der Wehen wich mein Mann mir nicht von der Seite. Kopf kraulen, Flüssigkeitszufuhr, Streicheln und Mut zusprechen bauten mich auf und gaben mir Kraft in dieser Phase – ganz zu schweigen von seinen Händen, die ich ab einem Zeitpunkt nicht mehr loslassen und nur noch zerdrücken konnte. Carolin und Zoe unterstützten mich ebenfalls mit Massagen, Übergießen mit warmem Wasser, kalten Wickeln, stärkenden Worten und sogar mit Füttern.

Mein Muttermund war nach ungefähr 4 Stunden bei 6–7 Zentimetern, und damit wurde mein Gefühl bestätigt, dass mein Körper tatsächlich schon im Geburtsprozess war. Am schmerzhaftesten Zeitpunkt entwich mir ein „Ich schaffe das nicht“, woraufhin Carolin zu mir sagte: „Erinnerst du dich an den Moment, an dem die meisten Gebärenden weinen und aufgeben wollen?“ Ich antwortete schluchzend: „In der Übergangsphase zum Austritt des Babys.“ – „Ganz genau. Willst du mal mit deinen Fingern fühlen?“, sagte Carolin, und ich fühlte mit meinem Finger tatsächlich schon das Köpfchen des Babys. (Da ich unter höllischen Schmerzen stand, erhebe ich keinen Anspruch auf Richtigkeit, was den Wortlaut des Dialogs angeht.)

Mit neuem Mut verstärkte sich kurz danach der Druck nach unten, und ich bekam das Bedürfnis zu pressen. Die Hebammen merkten, dass mein Pressen durch das Wasser etwas gehemmt wurde. Um die Schwerkraft zu nutzen, schlugen sie vor, aus der Wanne zu steigen. In der Austrittsphase leiteten sie mich sehr konkret an – sowohl was das Pressen betraf als auch meine Stellung, die wir einige Male noch änderten, bis zunächst die Fruchtblase platzte und schließlich der Kopf geboren wurde.

Um 16:17 Uhr wurde mir unser Kind direkt auf den Oberkörper gelegt, und wir durften dieses unglaubliche Ereignis sacken lassen, während wir bonden konnten und ich sie zum ersten Mal angelegt habe.

Von der Schwangerschaft bis zum letzten Gespräch nach der Geburt waren meine Besuche im Geburtshaus stets von Ruhe, Empathie und Interesse geprägt. Zu jedem Zeitpunkt habe ich mich gesehen, gehört, sicher und geborgen gefühlt. Den Schmerz habe ich noch präsent vor Augen – der lässt sich für mich nicht beschönigen. Und trotzdem trübt dieser Schmerz nicht die wunderschöne, kraftvolle Geburt, die ich im Geburtshaus erleben durfte. Die stetige Ruhe der Hebammen, ihre Anleitung während der Geburt, ihre Fürsorge und Empathie. Ich konnte als Individuum wahrgenommen, liebevoll behandelt und vollständig versorgt werden. Etwas, das ich mir bei einer klinischen Geburt auf diese Weise nicht vorstellen konnte. Die Entscheidung, im Geburtshaus Idstein zu entbinden, war für uns die beste!