Geburtsbericht – anonym

Geburtsbericht - anonym

Unser Baby machte sich spätabends am errechneten Termin auf den Weg. Zum Glück hatte ich mich nachmittags nochmal hingelegt, denn ab etwa 23 Uhr war nicht mehr an Schlaf zu denken. Wie Wellen ließ ich die Wehen (oder Wellen) kommen und gehen. Sie wurden kräftiger und ich fing an, im Wohnzimmer ruhig hin und her zu laufen. Da meine erste Geburt eine lange kräftezehrenden Reise war, wollte ich es jetzt vor allem ruhig angehen lassen und Kraft sparen.

Unser Kind hatte einen anderen Plan. Die Wehen kamen schnell nacheinander, waren aber noch von kurzer Dauer. Ich kam gut mit ihnen zurecht, tönte und ließ mir von meinem Mann ein TENS-Gerät anlegen. Gut, dass wir am Abend zuvor eine Trockenübung gemacht haben, so dass wir beide wussten, wie das Ding funktioniert. Dann spürte ich eine gewisse Unruhe. Ich hatte den Eindruck, wir müssten bald losfahren. Mein Mann rief gegen 00:30 Uhr bei Susanne an – sie hatte an dem Tag Rufbereitschaft. Wir verabredeten uns 45 Minuten später im Geburtshaus. Es war wirklich gut, die Taschen schon bereit stehen zu haben, denn die Wehen kamen recht rasch aufeinanderfolgend und erforderten meine ganze Aufmerksamkeit. Während der Fahrt hat mir das TENS-Gerät und die Wechselatmung, die ich im Schwangerschaftsyoga kennengelernt hatte, sehr geholfen. Die Autofahrt war mit der schwierigste Moment der Geburt für mich. Ich hatte bei jeder Wehe ein sehr starkes Bedürfnis mich zu bewegen. 

Im Geburtshaus war Susanne schon vor Ort. Alles war gut vorbereitet. Da die Herztöne zunächst sehr niedrig waren, empfahl sie mir ein Asthmaspray einzunehmen und den Knie-Ellenbogenstand. Das tat sehr gut, die Herztöne des Babys beruhigten sich. Die vaginale Untersuchung ergab, dass ich schon fast vollständig eröffnet war. Ich konnte es kaum glauben und freute mich. Bei meiner ersten Geburt hat es so viele Stunden länger gedauert als jetzt. Wenig später spürte ich die erste Presswehe. Susanne leitete mich sanft beim Veratmen an und Sarah (zweite Hebamme, inzwischen auch eingetroffen) ließ die Badewanne einlaufen.

Gegen drei Uhr nachts stieg ich in die Wanne – es war himmlisch. Die Wehen kamen jetzt etwas langsamer als vorher und ich konnte die Wehenpausen im Wasser richtig genießen und nutzen, um Kraft zu sammeln. Über die Badewanne wurde ein langes Brett gelegt, an dem ich mich abstützte. Ich war so glücklich, meinen Mann am Wannenrand zu haben und die beiden Hebammen Susanne und Sarah. Ich fühlte mich ganz sicher. Es herrschte eine heilige und hochkonzentrierte Stimmung und obwohl drei Menschen mich ansahen, fühlte ich mich gar nicht beobachtet, sondern liebevoll gehalten und begleitet. Susanne hörte immer mal wieder nach den Herztönen und untersuchte mich sanft. Es ging gut voran. Dann ermutigte sie mich, das Köpfchen meines Kindes zu ertasten. Und tatsächlich spürte ich, wie es sich mit jeder Wehe immer tiefer durch mein Becken schob. Das war ein ganz besonderer Moment, mein Kind so zum ersten Mal zu berühren und es motivierte mich auch sehr weiterzumachen – ganz nach dem Motto “jede Wehe bringt mich zu meinem Kind”. Etwas später waren die Herztöne erneut schlechter, so dass Susanne riet, etwas Pause und Entspannung reinzubringen. Mich hat die Situation mit den Herztönen beunruhigt, gleichzeitig spürte ich, dass wir es schon fast geschafft hatten.

Nachdem die Hebammen sich einen kurzen Moment vor der Tür besprochen hatten, ob eine Verlegung nötig ist (davon habe ich nichts mitbekommen), rieten sie mir aus der Wanne zu gehen, um die Schwerkraft nochmal mehr zu nutzen. Wenig später gegen 4 Uhr morgens wurde unsere Tochter geboren und lag unter mir im Vierfüßlerstand auf den Unterlagen. Nach einem Augenblick – sie hatte tatsächlich gleich die Augen offen und blickte um sich – nahm ich sie direkt zu mir und sie nahm ihren ersten Atemzug. Mein Mann war neben mir. Ein so schöner und tiefer Moment!

Auch in dieser letzten, entscheidenden Phase, fühlte ich mich super begleitet und konnte ganz in meiner Intuition sein.

Die Hebammen waren sehr routiniert und gleichzeitig höchstpräsent und begleiteten uns einfühlsam. Während ich mich unter der Geburt sehr auf meinen Mann und Susanne konzentrierte, war Sarah wie ein sanfter Engel, der alles Praktische drumherum fast unmerklich organisierte (den Geburtsbericht, die Badewanne, die Unterlagen auf dem Boden, Putzen, …). Das ist schon toll und wahrscheinlich der Schatz, den man im Geburtshaus hat: eine 1:1 Betreuung – na, ja, wenn man es genau nimmt, eigentlich eine 3:2 Betreuung. Das alles hat zu dieser sicheren Atmosphäre beigetragen, die es mir ermöglicht hatte, mich ganz auf das Wunder der Geburt einzulassen, mich für mein Kind zu öffnen und mich in diesen Stunden der Geburtsarbeit getragen und gehalten zu fühlen.

Auch nach der Geburt begleiteten die beiden Hebammen mich sanft bei der Plazentageburt, alles durfte seine Zeit haben und in Ruhe geschehen: Nabelschnur ausbluten lassen,  durchschneiden, bonden, Plazentageburt, erstes Stillen, eine stärkende Suppe, den Dammriss nähen… Das Einzige, was die Ruhe störte, war das Baby selbst, denn es schrie lauthals und recht ausdauernd. Das beruhigte uns irgendwie auch: “dann sind noch Kraftreserven da“ sagten die Hebammen. Bevor wir so richtig müde wurden, bekamen wir noch ein paar Infos mit und mein Mann packte alles ins Auto ein.

Wir waren überglücklich, als wir morgens mit unserer zweiten Tochter “einfach so” nach Hause fahren konnten. Zu Hause bewunderte unsere erste Tochter ihr neues Geschwisterchen im Maxi Cosi. Nachdem ich die Treppe hoch in unser Schlafzimmer als letzte große Bergbesteigung geschafft hatte, freute ich mich richtig auf mein eigenes Bett und die Wochenbettzeit begann.

Für mich war es wichtig und gut, nach ein paar Wochen noch einmal mit meinem Baby im Geburtszimmer zu sein – auch das wurde mir von den Hebammen im Geburtshaus ermöglicht. Auch das Nachgespräch der Geburt war hilfreich und dass ich mit Susanne im Wochenbett noch einmal über die Geburt sprechen konnte. Der Satz “Du und dein Mann seid ein tolles Team” hat uns noch viele Monate später empowered.

Vielen vielen Dank, liebe Susanne und Sarah und das ganze Team vom Geburtshaus für eure professionelle und liebevolle Arbeit! Wie gut, dass es diesen Ort gibt.