Geburtsbericht - Familie Fink
Rosas Sprung ins kalte Wasser
Uns war es besonders wichtig, dass auch unser drittes Kind im Geburtshaus zur Welt kommen durfte. Die Geburt unserer ersten Tochter im Krankenhaus war leider von Pech geprägt: Die diensthabende Ärztin traf Entscheidungen über unseren Kopf hinweg, wir fühlten uns nicht gesehen und nicht wohl. Bei der Geburt unseres Sohnes entschieden wir uns deshalb für das Geburtshaus – und erlebten dort zum ersten Mal, wie wohltuend eine vertraute, ruhige und herzliche Atmosphäre sein kann. Wenn man die Hebammen kennt, die Räume vertraut sind und man sich wirklich aufgehoben fühlt, entsteht eine ganz andere Art von Geborgenheit. Vor allem im Geburtshaus in Idstein, wo wir so liebevoll, respektvoll und kompetent begleitet wurden, war für uns klar: Auch unser drittes Kind sollte genau dort das Licht der Welt erblicken.
Rosas Geburt kündigte sich mitten in der Nacht an: Ich wurde plötzlich nass wach und verlor bei jeder Bewegung weiter Fruchtwasser – vermutlich ein hoher Blasensprung. Wir informierten die diensthabende Hebamme, bezogen das Bett neu und wischten den Boden. Natürlich waren inzwischen auch die großen Kinder hellwach. Leichte Wehen setzten ein, doch unser Fokus lag erst einmal darauf, die beiden wieder in den Schlaf zu begleiten. Als endlich Ruhe einkehrte, ebbten auch die Wehen ab, sodass ich noch etwas schlafen konnte.
Am Morgen, während wir uns mit den Kindern fertig machten, spürte ich erneut einen starken Druck nach unten und Wehen, die gut zu veratmen waren. Sie wurden intensiver – und hörten nach fast einer Stunde plötzlich wieder auf.
Um 10 Uhr hatten wir einen Kontrolltermin im Geburtshaus. Die liebe Zoe überprüfte den Blasensprung, hörte die Herztöne ab und schrieb ein CTG. Sie sprach mir Mut zu und „verordnete“ mir einen kleinen Spa-Tag, um die Geburt auf natürliche Weise anzuregen. Sie zeigte meinem Mann, wie er Bauch- und Kreuzbeinmassagen durchführen konnte, gab uns etwas Uterus-Öl mit und ein Pulver für ein Senffußbad. Außerdem riet sie mir, mich auszuruhen und meine Entspannungsübungen zu machen.
Gegen 12 Uhr fuhren wir guter Dinge nach Hause. Ich duschte – ganz im Sinne des Spa-Tages –, versuchte zu schlafen und ließ mich massieren. Doch Geduld ist nicht unbedingt meine Stärke… Beim Senffußbad brach ich in Tränen aus, weil ich das Gefühl hatte, es würde einfach nichts vorangehen. Mein Mann trocknete meine Tränen, nahm mich in den Arm und versprach mir, dass sich bald etwas tun würde – ich müsse nur ein wenig Geduld haben.
Mit der Regenbogenentspannung und den Hypnobirthing-Affirmationen legte ich mich noch einmal hin. Kurz vor 15 Uhr spürte ich die erste Wehe – und schnell stellte sich ein 5- bis 10-Minuten-Rhythmus ein. Da wir ohnehin um 16 Uhr wieder im Geburtshaus sein sollten, warteten wir ab, bis der Rhythmus stabil war, und fuhren dann entspannt los.
Im Geburtshaus untersuchte Zoe erneut den Muttermund, schrieb ein CTG und hörte die Herztöne ab. Sie bestätigte, dass wir auf einem guten Weg seien, und schlug vor, einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt zu machen, um nicht das Gefühl zu haben, die Geburt müsse sofort losgehen. Da ich ohnehin noch etwas im Drogeriemarkt besorgen wollte, machten wir uns auf den Weg. Immer wieder blieben wir stehen, um die Wehen zu veratmen, und der Druck nach unten wurde zunehmend stärker. Etwa auf halber Strecke entschieden wir uns umzudrehen – mein Mann befürchtete, Rosa könnte im Drogeriemarkt zur Welt kommen. Der Rückweg war geprägt von vielen Pausen und sicher ein amüsanter Anblick für die Passanten.
Zurück im Geburtshaus empfing uns Zoe lachend im Flur und meinte scherzhaft, ich solle das Baby nicht ohne sie bekommen. Wir richteten uns im Wunschzimmer ein. Beim dritten Kind weiß man einfach, welche Positionen guttun und wie der Partner am besten unterstützen kann.
Als die Wehen immer schneller aufeinander folgten, rief mein Mann Zoe wieder dazu. Sie ließ Wasser in die Geburtswanne ein, da ich mir erneut eine Wassergeburt gewünscht hatte. Gleichzeitig wollten Zoe und mein Mann noch das Bett mit unseren eigenen Laken beziehen, um nach der Geburt in Ruhe mit dem Baby kuscheln zu können. Doch unsere Tochter hatte andere Pläne.
Die Wehen wurden intensiver und kamen wie ein kleines Feuerwerk direkt hintereinander. Die Wanne war erst halb voll, Zoe bemühte sich, das Wasser schnell warm zu bekommen, als ich sagte: „Das Kind kommt jetzt.“ In Eile zog ich noch meine Hose aus, wir erwischten eine kurze Pause, und ich konnte in die Wanne steigen. Ich war kaum im Wasser, da kam schon die nächste – und tatsächlich letzte – Wehe. Zoe half mir noch, meinen Po unter Wasser zu bekommen, damit Rosa nicht unsanft ins Wasser plumpste und etwas verschluckte.
Und so sprang Rosa wortwörtlich ins kalte Wasser – und in diese kunterbunte Welt.
Wir sind überglücklich und danken dem gesamten Team des Geburtshauses von Herzen für die liebevolle Betreuung – und ganz besonders Zoe, die die schnelle und teilweise turbulente Geburt unserer kleinen Rosa so souverän und gelassen begleitet hat.
