Geburtsbericht – Familie Mergard

Geburtsbericht - Familie Mergard

Die Geburt von Tilda Milou aus der Sicht von Mama
Heute vor einem Jahr, am 22.03.2025, fingen die Wehen an. Vormittags gingen wir noch zur Untersuchung ins Geburtshaus. Ich merkte aber schon, dass etwas anders war. Schließlich hatte ich sechs Tage nach deinem errechneten Geburtstermin, während ich mit deinem Papa nach unserem Gespräch im Geburtshaus in einem Café saß, die ersten leichten Wehen. Als wir zuhause waren, fiel uns auf, dass unser Auto Benzin verliert.. sehr unpassend. Für mich war es ein Zeichen dafür, dass wir das Auto nicht brauchen werden und ich dich, so wie wir es uns gewünscht haben, zuhause gebäre.

Nach dem Abendessen, es gab Pizza von unserem Lieblingsitaliener, wurden die Wehen intensiver. Ab ca. 21 Uhr wusste ich sicher, dass du Mamas schützenden Bauch verlassen möchtest, um deine Eltern und die Welt, in der du leben wirst, kennenzulernen… Dein Papa und ich haben uns ins Bett gelegt und ich habe nochmal ein wenig versucht zu schlafen und zu ruhen. Ich war, anders als erwartet, nicht aufgeregt, sondern habe mich entspannt und ruhig gefühlt. Die Wehenabstände waren noch recht weit auseinander und ich konnte sie sehr gut veratmen. Ich finde den Vergleich mit Wellen, die durch den Körper gehen, sehr gut. Dein Papa hat die ganze Nacht den Abstand der Wellen gemessen, um ca. 2.30 Uhr kamen die Wellen in einem Abstand von 5 Minuten. Papa hat jetzt Susanne angerufen, sie ist Hebamme und hatte in dieser Nacht Rufbereitschaft im Geburtshaus Idstein.

Gegen 3.30 Uhr kam Susanne bei uns an. Um 4 Uhr hat Susanne meinen Blutdruck gemessen und mich gefragt, ob sie nach dem Muttermund schauen soll. Zu dem Zeitpunkt war er 2 cm groß. Dein Papa hat mir Wasser in den Pool gelassen, den wir extra für deine Geburt ins Wohnzimmer gestellt haben. Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass mir das Wasser zu kalt ist, also bin ich in der Wohnung langsam und ruhig umher spaziert.

Die Wehenabstände wurden geringer, ich habe mich zurück ins Bett gezogen. Mithilfe von Meditation und Atmung konnte ich die Wellen im Bett gut durch meinen Körper fließen lassen. Ich wusste, mit jeder Welle kommen wir deiner Geburt näher. Nach Absprache ist Susanne gegen 6.30 Uhr nochmal nach Hause gefahren. Nach einiger Zeit im Bett wurden die Wellen immer intensiver und ich habe den inneren Wunsch verspürt, wieder in den Pool zu gehen, also bat ich deinen Papa, mir den Pool wieder voll zu machen. Im Wasser hat dein Papa mir dann Vanilleeis, Cashewnüssen und Cola gereicht. Ich hatte überhaupt keinen Hunger, aber wusste, dass mein Körper Energie braucht, also habe ich ein wenig versucht zu essen.

Kurze Zeit darauf, gegen 8.30 Uhr, waren die Wellen so intensiv, dass ich Henrik gebeten habe, Susanne wieder anzurufen. Ich habe gemerkt, dass ich Presswehen bekomme. Noch während des Telefonats habe ich Zwischenblutungen bekommen, was mich kurz verunsicherte. Susanne erklärte Papa am Telefon, dass dies ein gutes Zeichen ist und ganz normal. Um ca. 8.55 Uhr traf Susanne wieder bei uns ein. Auf meinen Wunsch hin ertastete sie meinen Muttermund, dieser war nun vollständig geöffnet. Die Wellen kamen nacheinander – die Kraft, die durch meinen Körper ging, lässt sich nicht in Worte fassen. Jede Welle wurde von mir mit einem tiefen Tönen und kraftvollen Schreien begleitet. Diese Energie in mir wollte einfach raus!. Dein Papa saß hinter mir auf einem Stuhl und hat mich durch jede Welle begleitet. Susanne saß mir gegenüber, außerhalb des Beckens und hat die selbstbewusste Ruhe ausgestrahlt, die ich in diesem Moment gebraucht habe. In Stille hat sie mir zu Wissen gegeben, dass ich alles richtig mache. Ich bin ihr für immer dankbar, dass sie mir den Raum gegeben hat, meinem Körper zuzuhören, um so die Geburt zu erleben, die ich mir für uns gewünscht habe!

Nach ca. 50 Minuten Presswehen habe ich dich im Vierfüßlerstand, mit einem Bein aufgestellt, mit einer letzten Welle, um 9.41 Uhr ins Wasser geboren. Mein Körper war voller Adrenalin und ich konnte garnicht richtig verstehen, was passiert ist. Ich habe deinen Papa angeschaut und seine Freudentränen gesehen. Alles war überwältigend – du bist bei uns, in meinen Armen, endlich darf ich dich sehen und noch besser kennenlernen. Nachdem ich die Plazenta mit einer weiteren kleinen Welle entbunden habe, hat dein Papa mit meiner Zustimmung die Nabelschnur durchtrennt.

Nachdem meine leichten Geburtsverletzungen versorgt wurden und du das erste Mal an meiner Brust getrunken hast, haben dich Susanne und Sarah gewogen und gemessen. Sarah ist ebenfalls Hebamme im Geburtshaus Idstein und kam zur Unterstützung von Susanne dazu. Das Abschlussgespräch haben wir im Bett geführt, hier haben wir nun die ersten Tage verbracht – unsere Wochenbettzeit hat begonnen.