Geburtsbericht – Familie Westendorff

Geburtsbericht - Familie Westendorff

Geburtsbericht von Lena Marie

Von einer Freundin hatte ich erstmals vom Geburtshaus Idstein gehört. Bei der Geburt meiner ersten Tochter hatte ich mich noch für ein Krankenhaus entschieden – damals dachte ich, das sei die einzige wirkliche Option. Doch die Erfahrung dort – mitten in der Corona-Zeit, mit Ausschabung und standardisierter Betreuung – hat bei mir ein tiefes Unbehagen hinterlassen. Ich wollte bei der zweiten Geburt bewusst einen anderen Weg gehen – und suchte nach einem Ort, an dem ich in Ruhe, mit Respekt und im eigenen Rhythmus gebären konnte.

Im Geburtshaus Idstein fühlte ich mich von Anfang an gut aufgehoben. Ich nahm an einem Geburtsvorbereitungskurs teil, hatte Vorsorgegespräche vor Ort und habe auch die geburtsvorbereitende Massage bei Maja gemacht – sehr empfehlenswert! Das alles gab mir Vertrauen und innere Ruhe.

Die Geburt begann in der Nacht mit leichten, gut aushaltbaren Wehen. Mein Mann informierte das Geburtshaus, aber ich hatte ohnehin mittags einen Termin zur Massage – den wollte ich gerne noch wahrnehmen. Die Wehen wurden über den Tag hinweg etwas intensiver, und wir entschieden uns, in Idstein zu bleiben. Wir durften schon vorab einen Geburtsraum beziehen, gingen spazieren, waren sogar noch Mittag essen – es war ein wunderschöner Frühlingstag, der sich ganz leicht und friedlich anfühlte.

Gegen 15 Uhr kehrten wir ins Geburtshaus zurück. Ich wurde herzlich empfangen, bekam Tee und Wasser angeboten und durfte ein TENS-Gerät nutzen, das mir sehr geholfen hat. Ich hatte viel Freiraum, gleichzeitig war immer jemand in der Nähe. Als die Wehen stärker wurden, bat ich meinen Mann, die Hebamme zu holen – sie war bereits auf dem Weg. Nach einer kurzen Untersuchung setzten schon die Presswehen ein. Ich stellte mich aufrecht hin – und konnte Lena tatsächlich im Stehen gebären. Erst kam die intakte Fruchtblase mit heraus, bei der nächsten Wehe platzte sie – und Lena kam zur Welt. Ich konnte sie direkt selbst auffangen und an meine Brust nehmen. Dieser Moment war einfach unbeschreiblich.

Die Hebammen waren durchweg liebevoll, zugewandt und präsent – ohne jemals aufdringlich zu sein. Auch die Geburt der Plazenta durfte in Ruhe stattfinden. Anders als bei meiner ersten Geburt wurde nichts forciert – ich konnte etwa eine Stunde später, ganz in meinem Tempo, auf der Toilette die Plazenta gebären. Ich hatte einen kleinen Riss, den die Hebamme so fein versorgte, dass meine Frauenärztin später nichts mehr erkennen konnte – auch dafür ein großes Lob.

Im Gegensatz zur ersten Geburt fühlte ich mich diesmal sicher und in meinen Entscheidungen bestärkt. Ich durfte selbstbestimmt und intuitiv gebären – so, wie es für mich richtig war. Auch wenn die Geburt natürlich körperlich anstrengend war, war es für mich eine durch und durch schöne Erfahrung. Ich war sehr glücklich und stolz, es geschafft zu haben.

Nach der Geburt konnten mein Mann, Lena und ich ganz in Ruhe ankommen. Wir lagen gemeinsam im Bett, kuschelten und genossen diese ersten kostbaren Stunden. Die U1 fand erst am Abend statt, gegen 20 Uhr – und kurz darauf, um 21 Uhr, fuhren wir nach Hause. Dort endete dieser besondere Tag ganz schlicht – mit einem Teller Spaghetti und einem großen Gefühl von Glück.

Auch das Wochenbett zu Hause war entspannter als im Krankenhaus. Wir waren in unserer vertrauten Umgebung, konnten unsere große Tochter miteinbeziehen und einfach unser Tempo finden. Meine Wochenbetthebamme hat uns liebevoll begleitet und sich ganz auf unsere Bedürfnisse eingestellt.

Ich bin sehr dankbar für diese Geburt – und für das Geburtshaus Idstein. Es ist gut zu wissen, dass Geburt auch anders geht: ruhig, respektvoll, selbstbestimmt und stärkend. Genauso sollte es sein.